I am from Ösiland

Nico Wschiansky

von Nico Wschiansky

Story

Arnold Schwarzenegger ist bei Weitem nicht das einzige, was die Menschen im Ausland mit Österreich verbinden. Schließlich haben wir sachertortessenden und den ganzen Tag in Lederhose verbringenden „Ösis“ doch unsere ganz eigene Lebensweise.

Titelgeilheit. Titelgeilheit ist mit Sicherheit ein Phänomen, das typisch für unsere Nation ist. Herr und Frau Österreicher sind unglaublich stolz auf ihre Titel und möchten mit diesem auch angesprochen werden. Egal, ob schriftlich oder in Gesprächen, ja sogar beim Einkaufen würde ich diese Eigenheit unserer Landsmänner im Hinterkopf behalten, um mir keine (weiteren) Feinde zu machen. Toll, dass Titel neuerdings nicht mehr dem Namen vorangestellt werden…

Pistengeilheit. Manuel Feller, Anna Veith und natürlich unser Marcel werden von uns nahezu vergöttert, verbindet uns doch nichts mehr als das Skifahren-Schauen. Zugegebenerweise praktizieren wir diese Sportart auch selbst gerne und sind nicht nur stolz auf unsere Pisten, sondern auch auf den Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster oder den Germknödel (für mich ohne Vanillesauce) auf der Skihütte. Generell servieren wir unsere traditionellen Süßspeisen gerne als Hauptgericht, nicht bloß als Nachspeise.

Sonntaggeilheit. Tatsächlich ist uns der siebte Tag der Woche heilig, der oftmals für die Familie reserviert ist. Wenn mal kein Unikram zu erledigen ist und das Wetter mitspielt, wird der Sonntag gerne im Freien verbracht, aber eben mit der ganzen Familie. So kann man in Österreich – anders als in vielen anderen Ländern – in der Regel „nur“ an den anderen sechs Wochentagen einkaufen. Na guat!

Querulantengeilheit. Bekannt sind wir wohl auch für die wahnhafte Überzeugung, immer im Recht zu sein. Zudem fühlen wir uns von unseren Mitmenschen manches Mal hintergangen oder auch vom Staat ausgenutzt, was dazu führen kann, sich zu eigenwilligen Gegnern von Amt & Co zu entwickeln. Wennst manst!?

Dialektgeilheit. Die Palette an Dialekten ist bei uns ziemlich groß, weshalb Hochdeutsch für viele von uns wohl eine Fremdsprache darstellt. Beispiel für den österreichischen Dialekte-Wortschatz: „Di Muida und da Bui tuin gmui Fuida fia d’Kui in dei tuife Trui“ Irgendwie charmant, was?

Kinderungeilheit. Auf ein in der U-Bahn oder Bim plärrendes Kind wird in Österreich gerne und oft mit Augenrollen reagiert. Sogar lachende Kinder verträgt der (Wiener) Grant nur selten. Generell muss man leider sagen, dass wir nicht den Eindruck erwecken, eine kinderliebende Nation zu sein, als sie bei uns nicht selten als quengelnde Quälgeister abgestempelt werden. Mit Sicherheit gibt es Kulturen, in denen toleranter auf Knirpse reagiert wird.

So manch österreichische Phrase ist für unsere deutschen Kollegen wohl schwer zu verstehen: „G’hupft wie g’hatscht“ oder „Ruafma uns daun afoch zam!“ Für mich aber wirklich typisch österreichisch: „Eh nett!“ Ich bin dann doch recht gern ein Homo austriacus, denn da bin I her, da g’hör‘ I hin …

© Nico Wschiansky 2020-02-11