von Kamélia Bancsov
Kein Fernsehen, billiger Kaffee, kein warmes Wasser und schlechtes Essen. Nein, ich spreche nicht von einem Gefängnis. Diese drei Begriffe prägten meine Teenagerjahre in einem Frauen-Internat. Ich war 15, als ich in die Stadt und ins Internat zog. Im ersten Jahr war ich mit 5 anderen jungen Frauen in einem Mini-Zimmer. Es hat viel Spaß mit den Mädels gemacht, aber keiner von uns wollte das Zimmer putzen und wir wurden ständig von den Betreuerinnen ermahnt. Wir waren alle fleißige Schülerinnen, dies war praktisch die Voraussetzung für den Platz im Internat. Jedes Jahr war ein ausgezeichnetes Zeugnis die Eintrittskarte. Es gab einen Lernraum, weil unsere Zimmer zu klein waren. Der Lernraum war allerdings ständig besetzt, und einen Platz zu ergattern war wie Bingo zu spielen.
Wir standen alle unter hohem Druck, sowohl in der Schule als auch im Internat. Ich ging in das Gymnasium, wo man Witze gemacht hat, dass die Schülerinnen dort von einem Tag aufs andere eine andere Sprache erlernen können, weil sie solche Genies sind. Die Schule hatte eine hohe Reputation und das erste Jahr war so was wie die Hölle. Die meisten SchülerInnen lernten 6 Stunden am Tag.
Ich fand es großartig, dass die Mädels im Internat zusammenhielten. Wir halfen einander bei Hausübungen. Wir erklärten einander den Stoff für den Mathetest oder den Englischtest. Ich lernte oft bis 5 in der Früh, wenn wir Nachmittagsunterricht hatten. Ich hatte keine Zeit für Serien oder Filme, aber wenn ich heute darüber nachdenke, dann bin ich dankbar für die Schule und für die Disziplin, die ich in diesen Jahren erlernt habe. Und wie gesagt, ich war nicht allein. Hinter mir war ein Kollektiv von Frauen, die sich gegenseitig unterstützten.
Es gab am Sonntag immer gute Stimmung bei uns. Alle reisten zurück in die Stadt vom Land und saßen zusammen und hörten Musik und packten aus. Laute Musik und Plauderei über das ausklingende Wochenende krönten die Stimmung. Einmal bestellten wir Pizza, aber es war uns verboten, Essen ins Internat liefern zu lassen. Wir sagten dem Lieferanten, dass er zum Fenster kommen soll. Wir hatten aber vergitterte Fenster, und das ganze Theater war umständlich, aber gleichzeitig lustig. Wir durften auch nur bis 10 draußen bleiben, danach kamen die Betreuerinnen ins Zimmer, um uns zu zählen.
© Kamélia Bancsov 2022-03-06