von Susanne Kraft
In meiner Vorstellung war es völlig klar. Ein besonderes Haus mit Charme und Geschichte sollte es sein, mit einer besonderen Atmosphäre, das ein wohliges und wärmendes Gefühl ausstrahlt. Ein richtiges Zuhause eben, aber auch etwas Außergewöhnliches. Wenn ich schon aufs Land ziehe, dann nicht in die Neubausiedlung am Rande eines unbekannten Dorfes.
Und ja, ein Garten sollte auch dazugehören. Keine moderne Asphaltwüste, bei der jeder Grashalm in Reih und Glied ausgerichtet ist. Ein lebendiger und verwunschener Garten schwebte mir vor, in dem Blumen wachsen, Gemüse gedeiht, Tiere zu Hause sind und Gartenfeste gefeiert werden können.
Schneller als gedacht wurde diese Vorstellung im Sommer 2019 Wirklichkeit und ohne die Büchersammlung zum Thema Hausfinanzierung auch nur einmal angeschaut zu haben, starteten mein Partner, sein Sohn und ich ins Abenteuer Eigenheim. Ein paar Monate später zogen wir ins über 200 Jahre alte Fachwerkhaus ein, zu dem ein 600 Quadratmeter großen Bauerngarten gehört.
Beim Besichtigungstermin wurden wir gefragt, wer denn bei uns den grünen Daumen habe. „Hm, gute Frage“, dachte ich mir. „Aktuell hat den noch niemand so wirklich.“ Ich hoffte aber auf die guten Gene meines Opas väterlicherseits. Bis jetzt habe ich nur Erfahrungen mit der Bepflanzung von Stadtbalkonen gesammelt. „So viel anders wird das ja auch nicht sein, halt etwas mehr Pflanzfläche“, redete ich mir ein.
Wie gut, dass wir manchmal so naiv an neue Dinge herangehen und diesem Zauber des Anfangs einfach so vertrauen. Frei nach dem Motto: Das wird schon alles gut werden! Ich stand im Sommer 2019 in diesem Garten und kann mich rückblickend nur noch daran erinnern, wie verbunden, friedlich und geerdet ich mich fühlte.
Der erste Herbst kam schnell und zeigte sich mit Bergen von Äpfeln und Quitten von seiner produktiven Seite. Es gab unendlich viele Pflanzen, Büsche und Stauden, die zurückgeschnitten werden wollten. Ganz ab, nur zur Hälfte, jetzt gleich oder erst im Frühjahr? Auf einmal waren da sehr viele offene Fragen. Als der Winter kam und den Garten mit einer dünnen weißen Schneeschicht bedeckte, war ich fast ein bisschen erleichtert, dass er erst mal Ruhe gab. Nun war genug Zeit, sich in das Thema einzulesen und alle notwendigen Informationen zu sammeln.
Aber wie bei allem, so lernt man auch im Garten am besten durchs praktische Umsetzen und nicht durchs theoretische Wissen allein. Der Garten ist mir in den letzten Jahren zu einem meiner größten Lehrmeister geworden. Nicht nur bezogen auf das Bewirtschaften einer Naturfläche, sondern im Hinblick auf das Leben selbst. So begann zwischen Flora und Fauna das Wachsen und Gedeihen einer wundervollen Freundschaft.
Zitat im Titel aus dem Zen-Buddhismus
© Susanne Kraft 2023-01-14