von Anna Viterets
Das Auto fährt zur Einfahrt, zu diesem unscheinbaren, grauen Haus, aber Ulyas Herz rast wie wild. Das ist Zoryas Zuhause. Sie wird nie Teil all dessen sein. Sie ist etwas Separates vom Leben von Zorya. Etwas, das nur stört.
Zorya fuhr auf diesen Schaukeln im Hof, fuhr mit dem Fahrrad oder den Rollschuhen durch diese StraĂźen. Ulya hat sie noch nie so gesehen. Diese Zorya existiert fĂĽr sie nicht.
Ulya lächelt unwillkĂĽrlich, während sie sich die ferne, lustige, kleine und kluge Zorya vorstellt. Zoryana wundert sich, wenn sie dieses Lächeln sieht. Ulya lächelt doch so selten! So plötzlich, einfach von Gedanken… Das ist so rätselhaft.
Zorya betritt das Treppenhaus. Ulya weiß nicht, welche Etage sie betreten wird, und will es auch nicht wissen. Will sie nicht! Das ist unnötig. Sie haben diesen Sommer, und sie muss alles so lassen. Zoryana kommt schnell zurück, aber bereits mit zwei Taschen voller Essen. Und hätte es anders sein können?
Das Taxi bringt sie zum Busbahnhof. Sie laden ihr Gepäck vom Kofferraum des Autos in den Kofferraum des Busses um, nehmen ihre Plätze ein. Zory sitzt natürlich am Fenster. Ihre Musik ist dieselbe. Extra für sie haben sie einen Adapter für zwei Kopfhörer. Das ist ein Geschenk von Stas, Zorys Bruder. Er kennt ihre Beziehung, und er ist schon seit Jahren in Ulya verliebt, aber das macht nichts. Er wird das Glück seiner Schwester nie stören, und das wäre auch sinnlos.
Zorya schläft auf dem Weg ein, und Ulyana bewundert ihr Gesicht. So zart und blass. Zorya hat die erstaunliche Eigenschaft, dass ihr Gesicht im Schlaf unnatürlich blass wird. Früher hat das Ulya immer erschreckt, aber jetzt weiß sie einfach, dass Zorya hier ist, bei ihr, und alles ist in Ordnung.
Zwei Stunden Fahrt sind bereits vorbei. Der Bus hält an und entlässt seine Passagiere. Ulya nimmt Zorys Rucksack, und Zory nimmt ihrerseits die Essenspakete. Bis zu dem Ort, an dem sie ihr Zelt aufstellen wollen, müssen sie noch mindestens zwei Kilometer gehen, also hofft Ulya, dass sie irgendwie mitgenommen werden. Und das passiert auch.
Ein netter älterer Herr bringt sie zu ihrem Zielort, gibt seine Telefonnummer für den Fall von Problemen und fährt dann weiter. Zorya fängt sofort an, das Zelt aufzubauen. Das ist ihre Lieblingsbeschäftigung.
Ein kleiner Kiefernwald und ein Fluss, was könnte besser sein? Ein paar Tage in der Natur zu zweit zu verbringen, ist das nicht Glück?
© Anna Viterets 2024-02-27