von Greta Ackermann
Die Schulglocke ertönte und alle rannten aus dem Klassenraum. Mit der Welle aus Schülern wurde ich nach draußen befördert. Ich holte mein Handy raus, um meine Nachrichten zu checken. Fünf verpasste Anrufe und eine Nachricht von Mama. Mit einem fragenden Blick entsperrte ich mein Handy und ging auf WhatsApp. Der Satz „Komm schnell nach Hause.”, den meine Mutter mir geschrieben hatte, machte mich unruhig. Ist irgendwas passiert? Ich ging schnell zu meinem weißen Fahrrad, um gleich darauf nachhause zu hetzen. Mama hat mich fünfmal angerufen. Irgendwas musste passiert sein. Anders konnte ich mir das nicht erklären.
Als ich abbog, blendeten mich blaue Lichter. Ein Krankenwagen? Und die Polizei war auch da. Verwirrt stieg ich von dem Fahrrad ab und suchte Mia und Mama. Mama stand weinend neben einem Polizisten, der ihr, so wie es aussieht, Fragen stellte. „Was ist hier los?“ Fragte ich sie, nachdem ich mein Fahrrad abgestellt hatte. Mama sah mich mit einem schmerzerfĂĽllten Blick an. „Schatz, du bist hier.“ Sagte sie schwach und mit Schluchzern gefĂĽllt. „Wo ist Mia?“ Ich sah mich um, konnte jedoch nirgends meine Schwester entdecken. Sie war doch krank, dann mĂĽsste sie doch eigentlich zu Hause sein. Mama weinte nur noch mehr. Ihr ganzes Gesicht war rot und nass von den Tränen. Ich sah zu dem Polizisten. Er kann mir bestimmt erklären, was hier vor sich geht. „Wir sind hier wegen eines Mordes.“ „Ein Mord?“ Hier in Hagen? Zwei Arme umschlangen meinen Körper. Erschrocken sah ich zu Mama. „Wo ist Mia?“ Fragte ich wieder. Ein ungutes GefĂĽhl machte sich in mir breit. Ich sah wie der Polizist zu seiner Kollegin verschwand. Mama weinte noch lauter. Ich wiederholte wieder meine Frage, doch sie antwortete mir nicht. Ein Mann in WeiĂź ging zu dem Polizisten, der gerade noch vor mir stand und sagte ihm etwas. Ich sah mich weiter um. Der Krankenwagen war leer. Kein Patient saĂź da drin. Nur die Sanitäter waren im Wagen. Mama stellte sich wieder aufrecht hin und sah mich an. Sie sagte nichts. Still liefen ihre Tränen ihre Wangen runter. „Louise….Mia ist-“ sie brach mittendrin ab. Sie schaffte es nicht den Satz auszusprechen. „Sie ist-“ versuchte sie es erneut. Noch mehr Tränen waren zu sehen. Dann sah sie auf den Boden. „Sie ist tot.“ Mit diesen drei kurzen Wörtern schaffte sie es meine Welt zu zerstören. Mir wurde schlecht von dem verdorbenen Geschmack in meiner Kehle. „Sie ist was?“ Ich konnte es nicht glauben. Nein. Ich wollte es nicht glauben. Warum sollte sie tot sein? Das ergibt keinen Sinn. Der Schmerz in meiner Brust bahnte sich durch meine Knochen. Tränen brannten in meinen Augen und schlieĂźlich fing ich hemmungslos an zu weinen. Die Worte meiner Mutter hallten immer wieder durch meinen Kopf. Sie waren so laut, dass ich alles um mich herum nicht wahrnehmen konnte. Mama versuchte immer wieder mit mir zu reden, doch ich konnte sie nicht hören. Ich fing an Mias Namen zu schreien. Meine Schwester, beste Freundin und mein Vorbild, ist nicht mehr hier. Bei mir. Sie ist tot und wird nie wieder zurĂĽckkommen. Wir können nie wieder etwas zusammen unternehmen. Ich kann nie wieder einen Filmabend mit ihr machen, nie wieder mit ihr zu Bruno Mars‘ Liedern mit grölen und ich kann sie nie wieder in den Arm nehmen. Ich schloss meine Augen, in der Hoffnung, wenn ich sie wieder öffne in meinem Bett zu liegen und zu wissen, dass das alles nur ein Albtraum war.
© Greta Ackermann 2024-11-20