Kapitel 7

Luna Clark

von Luna Clark

Story

Als ich meine Mathehausaufgaben machte, zerbrach ich mir den Kopf über die Matrizen. Immer wieder hörte ich die Worte in meinem Kopf „Denk oder ich schlag dich“. Ich fürchtete mich so sehr davor, dass ich bis spät abends lernte. Am nächsten Tag stellte Matthiew dem Lehrer genau dieselbe Frage, über die ich mich die ganze Zeit gequält hatte. Noch ein Tag um mich zu peinigen.

Während er meine Gedanken las, war es still in meinem Kopf. Dann hörte ich seine Stimme. Sie kam aus seinem Mund. Er sprach genau die Worte aus, die ich gedacht hatte und lachte sich mit seinen Kumpels schrott darüber. Ich ignorierte ihn einfach und machte meine Aufgaben. Oder tat mindestens so.

Ich sang die Songzeilen „Needle and a thread, gotta get you out of my head“, in der Hoffnung die Stimme aus meinem Kopf zu vertreiben. Ich musste so schlau werden wie Matthiew. Damit ich ihm zeigen konnte, dass ich auch in der Lage war seine Gedanken zu lesen. Ich stellte mir bildlich vor, dass Draht um mein Gehirn spannte mit fiesen langen Dornen drumherum. Ich wollte eine Fassade erschaffen. Eine Wand. Um mich zu schützen. Um ihn nicht mehr durchzulassen. Doch die Stimme sagte immer und immer wieder: “Denk oder ich schlag dich!“ Und ich spürte dabei einen Schmerz tief in mir drin.

Wie ich für die Physikklausur lernen würde, hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Aber nun saß ich nun mal vor meinem Schreibtisch unfähig etwas in meinem Kopf zu bekommen, weil mich Matthiew im Kopf quälte.

In der Nacht konnte ich nicht schlafen, weil die Stimme immer wütender wurde und nie aufhörte zu sprechen. Ich bekam Alpträume von Soldaten die mein Haus invadierten, von Wassermassen, die auf mich einstürzten. Dabei sah ich immer dieses hasserfüllte blaue Auge vor meinem inneren Auge. Es war Matthiew. Das wusste ich ganz genau.

Insgesamt hatte ich nur zwei Stunden Schlaf. Mein Körper war so erschöpft und ich war psychisch am Ende. Trotzdem stand ich um fünf Uhr morgens auf, um noch ein bisschen für Physik zu lernen, da die Stimme sich plötzlich nicht meldete. Auf dem Weg zur Schule verfolgte mich die Stimme wie der Teufel in Person. Verbrenn mein Gehirn nicht, flehte ich in Gedanken.

Doch er war gnadenlos. Es roch nach Verbranntem in meiner Nase. Er hatte es getan. Er war dabei mich umzubringen. Ganz langsam, damit ich verrückt wurde.

© Luna Clark 2022-07-09

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