Katzengeschnurre

Gerda Modera

von Gerda Modera

Story
Mödling Umgebung 2025

„Serien-Miserentage“, wie ich sie nenne, sind zum Glück selten, dafür heftig. Ich rolle einmal den heutigen Omitag von hinten auf. – Er war vollgepackelt und abenteuerlich bis in die späten Nachtstunden hinein. Nachdem ich mir statt ein paar süßer Katzenvideos einen blutrünstigen Serien-Thriller gegeben und danach auch noch diese Geschichte geschrieben hatte, konnte ich endlich einschlafen. Tja, und viele Stunden davor, als alle drei Kinder im Bett waren, suchte ich Entspannung bei einer Abendyogasession. Als ich die Tür öffnete, um Frischluft hereinzulassen, fand ich einen hellroten blutigen Klumpen am Fußabstreifer und Blutspuren am Fußboden vor. Und auf der schon auf mich wartenden Yogamatte lag ein fachmännisch zerlegtes halbiertes Mäuslein – Erster Dezember-Adventsgeschenk (es gibt übrigens Katzenadventkalender). Ich begann, alle Spuren des Verbrechens zu beseitigen, verzichtete auf die Asanas und startete gleich mit der Schlussentspannung in Rückenlage. Als ich gerade im Entspannungsmodus angekommen war, ging die Katzenklappe hoch, und Katze Elli schnurrte um mein Gesicht herum, sabberte mich voll und wollte Lob für die erlegte Maus. Es reichte. Das Abendessen lief auch nicht so nach Plan, ich hatte es zu gesund gemeint. Am Nachmittag war das übliche Kinderhol- und -Bringprogramm und das Lesen üben des Sechsjährigen Alexandi endete in einer kleinen Misere, denn ich hätte angeblich jedes gelesene Wort kommentiert. Tja, und mittags war der Heizungstechniker da, um die Heizung zu reparieren und in aller Früh der Kanalreiniger, Abfluss verstopft. Ein „Serien-Miserentag“.

Ohne Fließwasser, daher auch ohne Abfluss lebte bis vor kurzem ein stark sehbehinderter Uraltbauer im Stodertal nahe der Steyr. Am verwahrlosten Hof mit skulpturengleichen verrosteten Gerätschaften führt ein Wanderweg vorbei. Als ich den sonst wortkargen Bauern ansprach, versuchten seine trüben Augen Kontakt mit mir aufzunehmen. Die Wollhaube schien mit seinen Haaren und dem Bart verwachsen zu sein, sein dunkler verfilzter Pullover löste sich gemeinsam mit seinen Gummistiefeln langsam auf. Er erzählte mir, dass ihm schon vor Jahren der Strom abgedreht wurde. Er entschloss sich jedoch, am Hof zu bleiben, denn er habe genug Holz zum Heizen, einen kleinen Bauerngarten, schaue gut auf seine vielen Katzen, Ziegen und Hennen und sei einfach zufrieden so. Am Geld sei es nicht gelegen, er hätte nur ein Stück Wald oder einen Teil seines großen Grundstücks verkaufen müssen, aber das wollte er nicht. Währenddessen schnurrten einige hübsche Katzen um unsere Beine herum und freuten sich auf die Ziegenmilch. Mäuse gäbe es genug dazu. Auf mein: „Aber so ganz ohne …“ erklärte er mir, dass manchmal eine entfernte Verwandte vorbeischaue und ihm Essen vor die Tür stelle. Kleidung brauche er keine, die sei noch gut genug und sein Batterieradio liefere ihm die ganze Welt ins Haus. – Vor ein paar Monaten schloss er nun für immer seine trüben Augen. Laut Gerüchten gibt es einige Erben, die sich arg streiten. Und angeblich wird die Einzige, die sich um den Bauern gekümmert hat, leer ausgehen.

So eine Misere.



© Gerda Modera 2025-12-05

Buchkategorie
Humor& Satire
Stimmung
Abenteuerlich, Herausfordernd, Emotional, Komisch
Hashtags (optional)