Das Wetter in Kärnten ist in den letzten Jahren extrem geworden. In meiner Kindheit waren die Sommer unendlich lang und am Abend unendlich lang lau. Zum Leidwesen meiner Eltern, die das Haus voll deutscher Sommergäste hatten. Die beschwerten sich oft über den Gastgarten gegenüber, der so lau war, dass die Leute dort gerne bis 3 Uhr Früh im Freien unter der noch von Papa gepflanzten Kastanie saßen und von Stunde zu Stunde lauter wurden.
In seiner Verzweiflung hat Papa ein paar Mal versucht, die Besoffenen mit dem Gartenschlauch zu vergraulen, beide waren zu kurz. Papa und der Schlauch.
An diese lauen Abende denke ich jetzt oft, wo ich meine Sommer wieder im Elternhaus verbringe, denn jetzt wird es kalt, sobald die Sonne hinter dem Bergrücken versunken ist. Auch Frühstücke im Freien sind eine Seltenheit geworden, sogar für mich als Langschläferin. Saukalt ist es in der Früh. Aber sobald der „Gluatmugl“ heraus kommt, muss ich schon rennen und sämtliche Markisen ausfahren.
Früher hieß es, nachmittags uma viere kommt immer der „Schönwetterwind“ aus Radenthein. So verkündete meine Mutter das jahrzehntelang den Neuankömmlingen. Dann konnten die Segelboote eventuell ausfahren. Aber mein Segelstaatsmeister vom Ossiachersee sagte immer: Des san Scheißwinde bei euch am Millstättersee.
Mittlerweile allerdings, wenn so ein „Schönwetterwind“ aus Radenthein droht, und das geht in Sekundenschnelle, dann laufen wir schon alle wie die Hendln durch die Gegend. Ich kümmere mich zuerst um die Markisen. Das sind jetzt meine wichtigsten Freunde. Ohne sie ist es ein Hundeleben auf der Terrasse. Gestern wieder. Wir saßen gerade mit Freunden aus Salzburg bei einem abendlichen Vorschlummertrunk, als eine Bö uns aufscheuchte.
Wir müssen da einmal einen Einsatzplan machen. Der Tisch war plötzlich leergefegt, mein zartes Weißweinglas lag in Scherben zwischen den Holzfliesen am Boden. Alle versuchten, irgendetwas in Sicherheit zu bringen und gingen dabei verschieden vor. Die Prioritäten meine ich. Ich kurbelte. Hinein ungeheuer schwer. Ich denk dann dabei an meine Fledermausärmel, um die mehr als 60 Umdrehungen irgendwie zu überstehen. Und das mal drei. Zwei auf der Terrasse, eine am Balkon.
Als ich zwischendurch einmal in die Runde blickte, es war auch Regen dazu gekommen, sah ich meine flüchtige Paddelbekanntschaft im Garten herumirren – ausgerückt zur Rettung meiner Schwimmnudel!!! Nix anderes hat er in Sicherheit gebracht, nur meine eh von Fischen schon völlig zerfressene hellgrüne Schwimmnudel. Es war ihm offenbar ganz wichtig, dass die Nudel nicht nass wurde.
Die schönen Tischsets, die Blumen, die Glasln, die Flaschen, die noch halbvollen Teller mit dem Schwammerlgulasch… nein, die Schwimmnudel war seine Auserwählte. Meine. Für mich hatte er das getan. Weibi, die brauxt ja wieder, wenn’s Wetter wieder scheener wird. Ja, aber das Weinglasl a, sogar wenn’s Wetter nie mehr scheener wird! Aber trotzdem irgendwie liab, oder?
© 2020-08-25