von Luxbrae
Krisi Mühln wohnte bereits ihr ganzes Leben lang in Köln. Groß geworden in Köln-Strumbach nahe Ossendorf, war die gesamte Stadt für sie Heimat. Die Mischung aus Neubau und Altstadt. Die schmuddeligen Straßen und die kleinen Parks und Siedlungen. Für sie war Köln ein Schmelztiegel der Kulturen, den sie nicht verlassen wollte – außer vielleicht mal für einen kleinen Frankreich Urlaub.
Sie hatte schon überall in ganz Köln gelebt, doch nun, wo sie ihren Mann Malik kennengelernt hatte und ihre Tochter Maja geboren war, zog es sie zurück in den Stadtteil, in welchem sie groß geworden war. Eine kleine gemütliche Ortschaft, die früher vor allem durch ihre Chemieindustrie bekannt war, auch wenn diese mit der Zeit durch Siedlung ersetzt wurde.
Und da sie gerade eh eine neue Wohnung für ihre wachsende Familie suchten, probierte Krisis gleich in der Pause nach einem schönen Apartment in ihrer alten Gegend zu finden.
Doch irgendwie fand sie in Wohnungsportalen nur Anzeigen, die für Ossendorf ausgeschrieben waren. Selbst bei über 2000 Treffern, klickte sie vergeblich die Seiten durch, bis sie bei Anzeigen in der Altstadt angekommen war.
Also öffnete sie Maps und gab „Köln-Strumbach“ ein, wurde allerdings nur zu Köln weitergeleitet. Bei der Suche nach „Strumbach“, kam sie letztendlich auf einen Ort in Frankreich.
Vielleicht hieß der Ort ja jetzt anders? Sturmbach war immer ziemlich klein gewesen, eventuell hatte man ihn deswegen umbenannt oder mit irgendeiner größeren Einheit verschmolzen? Doch über ihre Kartenapps schaffte sie es nicht, irgendwelche Straßen ordentlich wiederzuerkennen.
Nachdem ihrer Arbeit, schrieb sie ihrem Schatz, dass sie noch etwas länger unterwegs sein würde. Gab ihm einen Kuss-Emoji auf den Weg und stieg in die Bahn. Sie wusste noch genau, welchen Bus sie früher immer auf dem Heimweg von der Schule genommen hatte. Die 140.
Zu ihrem Erstaunen blieb jedoch ihre Haltestelle „An der Oblivqus Kirche“ aus.
„Habe sie nicht eine Haltestelle übersprungen?“, fragte sie den Busführer: „Früher, als ich noch klein war, hielt der hier noch vorher an einer Kirche.“
„Nicht, dass ich wüsste“, der Blick des Busfahrers war kalt und gleichgültig:„Allerdings fahre ich die Strecke noch nicht so lange. Vielleicht wurde sie geändert, seitdem sie hier wohnten.“
Krisis fröstelte es und entschied schnell auszusteigen.
Die Gegend kam ihr halb bekannt vor, doch selbst, nachdem sie versucht hatte, irgendwie einem Zeichen aus ihrer Erinnerung zu folgen, stand sie immer wieder vor einer neuen Sackgasse.
Alles war so vertraut, und doch irgendwie auch nicht. Die Eisdiele die bestimmt schon 30 Jahre auf dem Buckel hatte, der Thalia Laden, der immer noch so klein war wie zuvor, die Haltestelle mit dem Mittelbahnsteig und doch… immer, wenn sie meinte etwas wiederzuerkennen, brach ihre gesamte kleine Welt wieder zusammen.
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