von Bianca Lohr
Ich glaube, ich sollte auch vom Fliegen berichten. Denn Fliegen tu ich grad, seit gestern Nachmittag schon, als ich alle Gefühle durchfühlt und meinen Frieden wiedergefunden hatte. Hatten mich in meiner zwei Tage andauernden Enttäuschungsphase STS begleitet, ganz vor allem „I hab di leben g’sehn“, ging das Zepter gestern Abend an Howard Carpendale über.
Vor ein paar Jahren hatte ich mir wegen „Samstag Nacht“ eine CD von ihm gekauft und darauf einen Song entdeckt, der so sehr die Sprache meiner Seele spricht: „Sandy River“. Das Lied ist Sehnsucht pur und trotzdem es eine traurige Geschichte erzählt, für mich der Inbegriff von Leben, Liebe und Glück. Ich hab es gestern in Dauer-Repeat gehört und bin dazu durch die Küche getanzt. Völlig im Reinen mit mir und der Welt.
Vorm Schlafen kam eine SMS von meiner Freundin, der ich von meiner Traurigkeit geschrieben hatte. Sie wusste nicht, dass ich dieser bereits wieder entstiegen war und verglich das Erscheinen meines Buches mit der Geburt eines Kindes: „Beim ersten Kind wird man auch oft überrascht davon, dass man dem Geschehen ausgeliefert ist, die Kontrolle verliert, abgeben muss, obwohl die Vorbereitungen perfekt waren.“
Das waren soo weise Worte und sie hatte vollkommen recht! Ich weiß, ich bin ein Kontroll-Freak – was ich früher nie im Leben zugegeben hätte und was mir damals vielleicht auch gar nicht bewusst war – und durch die Verzögerung bei der Lieferung des Buches war ich wie in ein Vakuum geworfen worden. Ich konnte nicht mehr kontrollieren. Nur annehmen und loslassen. Was ich heute gleich ein weiteres Mal üben durfte – nur diesmal in die andere Richtung.
Als ich Essen machte, klingelte der Postbote. Er sagte, er stelle wie immer das Päckchen für mich unten ab. (Seitdem er nicht mehr die Treppen in den 5. Stock hoch muss, hat er sich von obergriesgrämig in oberfreundlich verwandelt.) Ich sagte okay, ließ ihn ins Haus und kochte meine Linsen fertig. Zwanzig Minuten später ging ich runter, um meine wie ich annahm bestellten Leggins in Empfang zu nehmen, aber das „Päckchen“ wog gefühlte Tonnen, so dass ich erstaunt auf den Absender sah. Und wirklich, da stand: story.one!
Die Nachbarin, die gerade kam, half mir, es in den Keller zu tragen und dann hielt ich es zum ersten Mal in den Händen: mein Buch. Ich ging zurück in die Wohnung, wo genau in dem Moment „Sandy River“ lief, setzte mich an den Schreibtisch und blätterte es wie ferngesteuert durch. Guckte, ob auch wirklich alle Geschichten von Anfang bis Ende drin sind – sind sie – und suchte in mir nach einem Gefühl. Müsste ich mich nicht eigentlich freuen? Aber da war nichts. Ich war einfach nur überfordert mit der neuerlichen Änderung des Ablaufs.
Zum Glück änderte sich das recht schnell und spätestens als meine Freundin mit Blumen, Pralinen und Sekt vor der Tür stand, hab auch ich es realisiert. Bei Amazon heißt es übrigens nach wie vor: Versandfertig in 1-2 Monaten. Berlin muss also noch warten. Das Meer jedoch hat mein Buch erreicht. Danke!
© Bianca Lohr 2021-08-18