Kovdam (3/17)

Dorian Raphael Kalwach

von Dorian Raphael Kalwach

Story

Ich schaute auf meinen Wecker. Sechs Uhr fünfundzwanzig. Ich knipste meine Nachtkasterllampe an und öffnete die grüne Zimmertüre. Ich ging nach draußen in den dunklen Gang. Das Licht ging flackernd und klimpernd an und erhellte den Korridor. Diese ganzen Türen hatte ich, obwohl ich schon seit einer Woche hier war, noch nie geöffnet. Man hatte mich hier mit einem Helikopter ausgesetzt und mir gesagt, dass bald jemand komme, um mich abzuholen. Eine Türe war rot, daneben ein Schild ”Krankenstation”. Die Tür schräg gegenüber war gelb, ”Labor”. Eine Tür daneben war weiß, ”Gewächshaus”. Gegenüber von der weißen war eine blaue Tür, ”Mine”. Ich ging in die Küche die sich am Ende des Ganges befand. Das Wasser, welches ich gestern Abend auf dem Fliesenboden verschüttet hatte, war gefroren. Ich schaute kurz hinter mich. Niemand. Nichts. Ich widmete mich wieder der Küche und stieg über die gefrorene Lacke. Zielstrebig ging ich zur Abwasch. Ich öffnete den Kasten über mir, nahm ein Glas heraus und hielt es unter den Hahn. Es kam kein Wasser, die Leitungen waren eingefroren. Ich konnte mich daran nicht gewöhnen. Ich öffnete den Kühlschrank und nahm mir eine der letzten Wasserflaschen. Schon irgendwie witzig, dass es im Kühlschrank wärmer als draußen war. Ich trank die Glasflasche in Weltrekordzeit und stellte sie in eine Ecke.

Ich hatte etwas gehört. Nein, die Flocken klangen anders. Ich hörte beides. Ich machte einen Schritt weiter nach vorne. Danach noch einen. Ich lugte ums Eck. Da war keiner. Ein Licht hatte begonnen zu flackern. Mit einem großen Schritt ging ich über den ”Eislaufplatz” und trat den Weg zurück zu meinem Zimmer an. Das zweite Licht begann zu flackern. Ich sagte mir, dass durch die Kälte die Stromleitungen leicht litten. Ich schlurfte weiter und kam bei der Mine vorbei. Ich blieb kurz stehen, drehte mich um. Niemand da. Ich drehte mich wieder in meine Gehrichtung und stapfte missmutig in Richtung meines Zimmers. Soeben passierte ich die Tür fürs Gewächshaus und da hörte ich es wieder. Ein weiteres Licht flackerte. Ich begann schneller zu gehen. Vorbei am Labor und an der Krankenstation. Ich drückte die Schnalle zu meinem Zimmer hinunter. Eisiger Hauch kam mir entgegen. Ich schloss die Türe. Ich drehte die Lampe aus und blickte wieder aus dem Fenster. Die gefrorenen Eiskristalle tanzten durch den frühen Morgen. Ihr silberner Klang hatte sich in mein Gedächtnis gefräst. Er ist einfach wunderschön, so ein glitzerndes einzigartiges süßes Klingen. Ich löste mich aus dem Bann und als ich mich wieder umdrehte brannte das Licht auf meinem Schreibtisch.

© Dorian Raphael Kalwach 2023-01-20

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