Krawa

Dominik Stropek

von Dominik Stropek

Story
Wien

Das Krawa ist sicher einer der Gründe wieso der Bus Richtung Kahlenberg in den Sommermonaten so voll ist. Und ich verstehe es. Es ist einzigartig, vielleicht sogar ein weltweites Unikat. Wo sonst hat man beim Schwimmen so einen Ausblick?

Das Krapfenwaldbad, im Volksmund Krawa, thront über den Dächern Döblings. Die Menschen pilgern jedoch nicht wegen der überragenden Anzahl und Qualität an Pools oder Attraktionen für Kindern hierher. Im Gegenteil, die Becken sind eher unter-proportioniert verglichen mit der Popularität des Bades und die Beschäftigungsmöglichkeiten für die Kleinsten gehen nicht über die eines normalen Schwimmbads hinaus, weder Rutschen noch Sprungbretter findet man hier.

Hier kommt man her um zu entspannen, um den einzigartigen Ausblick über Wien zu genießen. Wanderschuhe werden zwar nicht benötigt, aber machen Sie sich auf ein paar steile Stufen gefasst, um an den höchsten Punkt des Bades zu kommen. Dort befindet sich auch das Hauptbecken, in das der Großteil der Leute lediglich die Füße hineinsteckt, um sich abzukühlen. Im Krawa lässt man die Seele baumeln und strengt den Körper nur selten an. Ambitionierte Sportschwimmer wird man hier daher nur selten antreffen.

Hinter dem Hauptbecken geht ein kleiner Hang steil bergab und bietet ein einzigartiges Panorama über die Hauptstadt Österreichs. Man kann so vieles entdecken. Das Riesenrad und den Stephansdom, den Hundertwasser Turm der Müllverbrennungsanlage Spittelau, das AKH, den Donauturm und die weitentfernten Hochhäuser in Wienerberg. Umgeben ist das Bad von dichtem Wald, der den Ort in eine einzigartige, naturbezogene Atmosphäre taucht. Das Bad ist eingebettet in das Grün, das im Sommer neben dem Wasser und der Höhe des Ortes für zusätzliche Abkühlung sorgt.

Besonders atmosphärisch wird es, wenn man den kleinen Weg durch den Wald als Anreise zum Bad wählt. (Übrigens derselbe Weg, den wir im Winter als Bobbahn umfunktioniert haben). Ein kurzer Spaziergang, der den Besucher schon auf das Bad einstellt. Wie ein kleiner Gruß aus der Küche, bevor einem der alte Eingangsbereich als Vorspeise serviert wird.

An eben jenem Eingangsbereich ist bereits frühzeitig zu erkennen, wie alt das Krawa ist. Wienerinnen und Wiener kommen hier seit eh und je gerne her. Dass es öffentlich und somit für viele Leute leistbar ist und war, trug sicherlich auch zu seiner Popularität bei. Daher ist der Nervenkitzel vermutlich der Hauptgrund für zahlreiche Jugendliche, sich durch den Wald und über den Zaun sowohl nachts als auch tagsüber in das Bad zu schleichen. Eine Urban Legend, mit der vielleicht öfter angegeben wird als, dass sie tatsächlich stattfindet.

Ins Krawa kommt man, um zu sehen und gesehen zu werden. Bereits als Jungendlicher, war nur der cool, der ins Krawa ging. Zumindest redete man sich das selbst und anderen ein. Auch Stars wie David Alaba (beinahe schon Nationalheld), verirren sich in dieses Bad. Dieser hätte sich aber wohl gewünscht, dass im Krawa weniger gesehen wird, denn ein paar Handynachrichten und Social-Media-Posts genügten, um eine Menschenmasse anzulocken, die den Fußballer schnell wieder vertrieb.

© Dominik Stropek 2023-08-31

Genres
Reise, Biografien
Stimmung
Abenteuerlich, Emotional, Informativ, Inspirierend, Reflektierend
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