von GoG
Mein Freund und ich flogen schon Jahr davor nach Kreta. Und alles war perfekt! Das Hotel war ruhig, der Sandstrand herrlich, das Wetter traumhaft. Hinter dem Hotel waren endlose Klippen und ein toller, verlassener Weg am Rand zum Meer. Jeden Morgen joggten wir entlang des Weges und genossen die atemberaubende Aussicht.
Wir buchten das Hotel gleich für das nächste Jahr. Wir hatten das Versprechen der Rezeptionistin, das schönste Zimmer zu bekommen, das wir wegen der Lage so bewunderten, weil es als einziges direkt aufs Meer hinausschaute.
Das nächste Jahr kam und auch die Zeit zum Abflug. Da ging es auch schon los! Mein Freund sollte direkt von einer Geschäftsreise zum Flughafen kommen. Nach unserem Telefon-Streit am Abend davor, entschied er sich plötzlich NICHT ZU KOMMEN! Ich dachte, das sei ein Scherz und er wird natürlich auftauchen. Mit einer Rose (ev. übertrieben) , einem Lächeln (sehr wohl) und einem „Sorry, Schatz, ich könnte dich nie alleine fliegen lassen“ (unbedingt).
Ich sah mich ununterbrochen um, Check in, Gate, wartete im Flieger, dass er mit einem „tata, da bin ich“ den Platz nebenan besetzt. Doch, er kam nicht! Vergeblich, rief man vorher seinen Namen in der Abflughalle auf.
Aus Zorn und Trotz dachte ich mir: „Ok, na und? Mach‘ das beste daraus! Single-Urlaub, das hattest du nie..“
Im Hotel musste ich erklären, dass mein Freund geschäftlich verhindert wurde. Nein, man sah mich nicht bemitleidend an, das bildete ich mir nur ein.
Das schöne Zimmer bekam ich trotzdem. Das wurde schon längst für zwei bezahlt. Und das war genau das einzig schöne in dieser Woche. Nur das Zimmer-innen! An dem tollen Pool unter der tollen Terrasse vermutete ich ALLE Hotelgäste. Der Lärm war unerträglich. Schnell wieder rein und Tür zu.
Das Wetter war schrecklich. Ein Orkan breitete sich am Strand aus. Ich gab den Kampf mit dem Wind auf und ging nach einer Stunde wieder ins Zimmer. Natürlich saßen alle deswegen am Pool.
Am nächten Morgen wollte ich auf den Klippen joggen. Der Wind war noch immer so stark, dass ich nur einen kurzen Spaziergang wagte. Bis mich zwei freilaufende Hunde entdeckten und jagten das mir fast das Herz stehenblieb. Sie wurden in der letzten Sekunde zurückgepfiffen und ich hatte meinen Sprint. Ich ging nie wieder dorthin.
Dafür entschied ich mich den so grossartig im Hotel beworbenen Ausflug zu machen. Insel Cryssi, eine der Südlichsten in Europa. Man versprach großartige, pinke Strände.
Zehn Minuten nach der Abfahrt, kotzte ein Kind. Der Bus stank die ganze Hin- und Rückfahrt nach dem Erbrochenen. Der Fahrer fluchte. Die Fähre danach schauckelte fürchterlich. Es war nichts rosafarbenes auf der Insel. Oder ich sah nichts vom Sand in den Augen. Der Orkan war auch hier. Ich verkroch mich hinter einem Busch und ließ die Zeit versteichen.
Oh, ja! Der Wind wütete alle sieben Tage. Und die hohen Wellen ließen mich nicht ins Wasser. Und ich saß und aß alleine. Alle schauten mich an.
Und der Freund?!
Das ist eine andere Geschichte.
© GoG 2020-09-12