In âPater Eustachâ schrieb ich ĂŒber die damaligen Erlebnisse im Religionsunterricht und meine AffinitĂ€t zu Latein.
Heute ĂŒber den Menschen, der uns in Latein unterrichtete. Elmar S. Ein Original, das seinesgleichen sucht. Streng, sehr streng sogar, Ă€uĂerst gebildet und auch mit seinem ihm eigenen Charme ausgestattet.
Weiber, BĂ€ume, StĂ€dte, Land und Inseln, weiblich sind benannt. So merkten wir uns, welche Verben im Femininum deklinieren. Er hatte noch andere EselsbrĂŒcken in petto, die sind mir dann doch schon verblasst.
In Latein war ich ein As, so hatte ich bei Professor Elmar S. beste Karten. Neben mir saĂ ein Schulfreund, dem Latein so gar nicht lag. So gut wie immer gab es fĂŒr ihn 5er. So gut es ging half ich ihm und gab Nachhilfe. Auf einen 4er brachten wir es dann immer.
Unser Elmar. Ein Original. Einmal hatten wir die Ehre unter seiner Ăgide einen Schulausflug zu unternehmen. Es ging damals auf den DĂŒnserberg. Bis zum Sender des ORF. DĂŒnserberg ist ĂŒbrigens die kleinste Gemeinde Vorarlbergs mit rund 140 Einwohnern. Eine typische Streusiedlung am SĂŒdhang des Walserkammes. Es war prĂ€chtiges Wetter und wir lernten Elmar von seiner Schokoladenseite kennen. Humorvoll, witzig und pointiert. Am Heimweg hatte er noch eine Ăberraschung parat. In Schlins war fĂŒr uns im Garten der Metzgerei E. eine Grillpartie fĂŒr uns vorbereitet. Da staunten wir Teenager nicht schlecht. Feinste BratwĂŒrste und SchweinerĂŒckensteaks, Kartoffelsalat mit Schnittlauch, und ganz wichtig, Diezano. Damals eine Kult-Limonade in Vorarlberg.
Nach dem Abgang von Gymnasium vergingen Jahre bis zum Wiedersehen. Kurz hoffte ich, dass an der Handelsakademie Latein als Freifach angeboten wĂŒrde. Dem war dann leider nicht so, bei nur zwei Interessenten.
Ăber einen guten Freund von mir, der mit Elmar im Rahmen seiner Diplomarbeit in Theologie mit ihm zu tun hatten, kam es zu einem berĂŒhrenden und wunderschönen Wiedersehen. In einem lauen und schattigen Biergarten an einem Sommertag in Rankweil Anfang der 2000er Jahre.
Es dauerte dann wieder beinahe 10 Jahre zu einem weiteren Wiedersehen. Und wir sahen uns dann sogar öfter. Elmar wurde Landtagsabgeordneter. Immer wieder schwelgten wir in alten Zeiten. Und sein Erinnerungsvermögen beeindruckte mich. Er wusste noch viel, auch wie ich in der Schule damals war. Am Gymnasium unterrichtete er schon lange nicht mehr. Bis 2009 und seiner Pensionierung war er Diözesanarchivar in Feldkirch. Von 2004 bis 2014 danach Seniorensprecher seiner Fraktion im Landtag.
Er wohnt Luftlinie nur ein paar hundert Meter von mir entfernt. Ich glaube nach Corona werde ich ihm einmal einen Besuch abstatten. Die gemeinsamen alten Zeiten rufen nach einem Revival.
Zum Abschluss noch eine Anekdote. Da ich meistens nach 20 Minuten mit meiner Schularbeit fertig war, drĂŒckte er mir einen 20er (Schilling) in die Hand und ich holte fĂŒr uns beide bei der BĂ€ckerei B. eine Schinkensemmel. Er korrigierte derweil meine Arbeit.
© Walter Tiefenbacher 2021-04-28