So greife ich jetzt zur grünen, mit grüner Tinte gefüllten Füllfeder. Das ist aber nicht doppelt gemoppelt. Ich könnte auch zur grünen Füllfeder mit blauer Tinte greifen, oder zur blauen Füllfeder mit schwarzer Tinte, oder zur blauen Füllfeder mit blauer Tinte. Die Farbe der Füllfeder gibt die Tintenfarbe nicht vor. Allerdings „gefüllt“ und „Füllfeder“ ist eigentlich doppelt erklärt. Der Einwand, mit einer nicht gefüllten Füllfeder werde ich nicht schreiben können, ist logisch, aber muss ich „Füll“ voranstellen? Eigentlich schon, denn gefüllte Feder ist Nonsens. Es gibt für eine verstärkende Erklärung das schwere Wort Pleonasmus, oft die Antwort auf die Quizfrage ‚Was ist ein weißer Schimmel“. Als Kind sagt man zuerst, das ist ein weißes Pferd, was ja richtig ist. Die Erwachsenen, immer bestrebt, dem Kind etwas beizubringen, korrigieren nur auf Schimmel, und so bleibt oft der weiße Schimmel für ein weißes Pferd. Ach ja, ein weißer Schimmel ist ein Pilz, den man bei Gebäuden mit hoher Feuchtigkeit findet. Stilblüten passieren immer wieder, wie oft hört man „in der jüdischen Synagoge …“ oder eine besondere Stilblüte ist die „tote Leiche.“ Der junge Polizist im Krimi wird zu einer Leiche gerufen und fragt beim Eintreffen: „Ist sie tot?“ Ein Kommissar aus einer bekannten Krimiserie würde die Augen verdrehen. Um Worte hervorzuheben, Emotionen zu verstärken oder überspitzt zu formulieren wird der Pleonasmus in der Lyrik oder der Poesie eingesetzt. Zumindest kommt mir jetzt der Ausdruck bekannt vor, wenn dieses Wort bei einer Quizsendung als eine von drei Antworten, Pleonasmus, Oxymoron oder Tautologie, vorgeschlagen wird. Oxymoron, ein anderes rhetorisches Stilmittel, „Du siehst aus wie eine lebende Leiche!“ hört man vielleicht, wenn man sehr blass ist. Dann könnte man antworten: „Das eine schließt das andere aus. Ich kann nicht Leiche sein und leben.“ Ups und wieder 200 Euro gewonnen.“ „Es ist ein offenes Geheimnis, was ich dir jetzt erzähle!“ so beginnt oft eine bittersüße Tratscherei. Ist sie jetzt bitter oder süß, ist die Information geheim oder für alle bestimmt? Sie ist jedenfalls widersprüchlich. „Stillschweigend sitzen sie beim Abendessen.“ Wie soll man laut schweigen? Doch so absurd ist das gar nicht. Hört man nicht oft die Stille, wenn in einer Gruppe Spannung herrscht und man nur darauf wartet, dass jemand zu sprechen beginnt? Soll man übertreiben, verstärken, widersprechen mit rhetorischen Tricks? Warum nicht? Es passiert im Alltag, ohne dass man sich dessen bewusst ist. Nur die Hellhörigen – gibt es Dunkelhörige? – zucken zusammen. Kinder kennen Scherzgedichte, bei denen sie sich vor Lachen biegen – wohin biegen – wenn ein anderes Kind nicht auf die Doppeldeutigkeit draufkommt. Auf einer roten Bank, die blau angestrichen war, saß ein blondgelockter Knabe mit kohlrabenschwarzem Haar. Seine Tante, eine Schachtel, die kaum 18 Jahr, beide aßen Butterbrote, die mit Schmalz bestrichen waren. (Quelle unbekannt). Ganz Detailverliebte werden einwenden, eine blaue Bank kann man rot überstreichen und auf ein Butterbrot kann man Schmalz streichen, das haben ja manche in ihrer Kindheit sooo gerne gegessen. Aber die ordne ich unter Spaßverderber ein. Dialektisch sind das Oxymora. Immer wieder gehen mir die ach so „klugen Deutschlehrerinnen“ in Schreibwerkstätten auf die Nerven, aber ich würde ihnen „nie und nimmer“ sagen, dass ich auch weiß, dass das eine Tautologie ist. Frühling breitet sich „still und leise“ aus.
© Heidemarie Brezina 2024-04-06