Meine Hände liegen auf dem scharfkantigen Fensterrahmen, ich stütze mein gesamtes Gewicht darauf. In kalten Blitzen dringen mir die Zacken ins Fleisch, mit einem Schrei drücke ich mich darüber hinweg. Ich lande auf dem Fußboden, gleite auf den Scherben aus. Der Oberkörper wird durch meinen alten Mantel geschützt, aber es sticht mir in die Beine, fügt meinen Händen weitere Schnitte zu, meine linke Gesichtshälfte wird von Blut überströmt. Gerade will ich aufstehen, da muss ich abermals husten, noch heftiger als zuvor. Ich krümme mich in diesem Splittermeer, unter den Stößen meines Anfalls wetze ich mich an den Klingen des Parkettbodens. Das von meinem Blut unterschwemmte, funkelnd daraus hervorragende Glas nimmt sich sehr schön aus. Trotz allem. Ich spucke einen dunkleren, fast schwarzen Klumpen dazwischen. Dann stehe ich wieder, lese den Hammer auf, den ich zuvor hindurchgeworfen habe. Beinahe bekomme ich ihn nicht zu fassen, so kraftlos fühlt sich meine Hand an, so rutschig ist sie benetzt. Dann aber verhängt sich der Griff an den Rändern einer besonders tiefen Wunde. An dem hinabgezogenen Fleisch vermeine ich die Maserung des Holzes spüren.
Da ist es also, dein Zimmer. In allen Richtungen zeigen sich jetzt Dinge, die das Fenster zuvor eifersüchtig gehütet hat. Da stehe ich mit offenem Mund, zu beiden Seiten rinnt mir das Blut hinab, und betrachte eine Kommode. Wie oft mag sich dort auch dein Blick niedergelassen haben? Verändert dieser Einrichtungsgegenstand das Gesamtbild? Nicht das des Raumes, sondern jenes deiner Person? Ich bestaune einen Schrank, setze ihn in alle Erinnerungen von dir, denen ich habhaft werde. Die ganze Zeit über ist er dort gewesen und ich habe davon keine Ahnung gehabt. Auch dich kenne ich eigentlich nicht wirklich, oder? Aber das ist schließlich deine Schuld. Ich verlasse das Zimmer, ohne darin einen weiteren Atemzug zu tun.
Auch dem Vorhaus schenke ich keine Beachtung, ich ergänze das Bild von dir nicht um die Familienfotos am Strand. Sehr felsig, lädt eher zum Picknicken und Spazieren ein, als zum Baden. Nordfrankreich? Großbritannien? Ich berücksichtige nicht, dass hier die Medaille eines Lesewettbewerbs hängt, eine, von der auch ich mit acht einmal eine Zeit lang geträumt habe. Du ruhst dich auf Triumphen aus, so alt, dass du dich in Staub und Asche wälzt. Wo aber bist du?
Ich wandle durch das Untergeschoss, gehe die Treppe in den Keller hinab. Hier sind es Spinnennetze, die das wenige Licht einer hoch gelegenen Lucke einfangen und zu hellen Querstreben erheben in einer ansonsten kaum verdünnten Dunkelheit. Wenn du jetzt hinter mir die Tür zuschlagen, die Polizei rufen würdest. Lächelnd nehme ich einen Mund voll Schwärze. Wenn du zu so etwas in der Lage wärst, würde ich dich gerade nicht mit einem Hammer jagen. Als ich wieder hochgehe, in der Dunkelheit der Treppenwindung, kurz bevor von oben das Lampenlicht einbricht, höre ich dich die erste Note spielen.
© Alexander Brunthaler 2023-01-23