Leiser Abschied, lautes Gefühl

Franziska Thieme

von Franziska Thieme

Story

Meine Mutter kämpfte über Jahre hinweg gegen Darmkrebs, eine Herausforderung, die uns allen alles abverlangte. Zunächst gab es Hoffnung, nach der Operation und harten Chemotherapiezyklen glaubten wir fest daran, dass das Leben bald zur Normalität zurückkehren würde. Doch die bittere Realität holte uns ein und nach zwei Jahren intensivem Kampf verlor sie letztendlich gegen die Krankheit.

Sie war eine ruhige Frau, die stets ihre eigenen Bedürfnisse hinten anstellte, um anderen Geborgenheit zu spenden. Doch ich spürte in der letzten Zeit eine bedrückende Distanz in ihr, als hätte sie begonnen, sich zurückzuziehen. Es war sehr emotional, sie so zu sehen. Der Krebs hinterließ tiefe Wunden. Diese Veränderungen hatten auch Auswirkungen auf mich, und es war, als würde das Licht der Welt langsam erlöschen.

Der Tag, an dem sie ins Hospiz verlegt werden sollte, war von tiefer Unruhe geprägt. In einem letzten Telefonat hörte ich ihre schwache Stimme, sie fragte: „Du kommst doch übermorgen?“ Ich spürte ihre innere Panik, während ich versuchte, ihr Trost zu spenden. Dieser Moment wurde für mich zu einem letzten Klang ihrer Stimme, den ich mir sehnlichst zurückwünschte, denn mir war nicht bewusst, dass er bald für immer verfliegen würde. Ich hätte so viel mehr sagen wollen. Am liebsten wäre ich sofort zu ihr gefahren. Mein Vater beruhigte mich und versprach, sie morgen früh als erstes zu besuchen.

In der Nacht schlief sie friedlich ein, begleitet von einer einfühlsamen Schwester. Der Abschied war leise, doch der unausgesprochene Schmerz war kaum zu ertragen. Ich wollte schreien und weinen, doch all die tröstenden Worte schienen die Tiefe meines Verlustes nicht zu erreichen. Es ging nicht mehr um Worte, sondern um ein bodenloses Gefühl, das mich innerlich zerriss.

Nach diesem erschütternden Tag begann meine Selbstfindungsreise. In vielen stillen Stunden fragte ich mich, was es bedeutete, jemanden zu verlieren. Ist das Leben einfach zu Ende, oder gibt es einen Neuanfang? Der Gedanke, dass unser Leben wie ein Spiel ist, in dem wir immer wieder von vorne anfangen, schenkte mir Trost. Jeden Moment und jeden Gedanken an meine Mutter begann ich als Teil eines größeren Ganzen zu verstehen.

Ich suchte Trost in den Erinnerungen, die sie hinterlassen hatte. Der Schmerz war unermesslich, aber ich erkannte die Stärke, weiterzugehen und ihr Andenken lebendig zu halten.

Ihre Liebe und Fürsorge waren nicht flüchtig; sie hinterließen Spuren in jedem, den sie kannte. Auch ich möchte Spuren hinterlassen. Mein Wunsch ist es, Menschen mit meinen Geschichten zu berühren, ihre Gedanken anzuregen und ihre Emotionen zu wecken. Ich möchte, dass mein Name nicht auf einem Grabstein verblasst, sondern über Generationen hinweg in der Literatur weiterlebt und bleibende Eindrücke hinterlässt.

© Franziska Thieme 2025-08-23

Genres
Spiritualität
Stimmung
Emotional