Lyriel – Der Maskenball der Diebe # 15

von Kreative-Schreibwelt

Bevor die Wachen oder der Magistrat einschreiten konnten, fügte Lyriel hinzu: »Mein Lohn, Mylord. Und eine kleine Gefahrenzulage für die … unerwarteten Komplikationen.« Sie deutete mit einem Nicken auf ihr leicht zerrissenes Kleid. »Ich denke, ein neues Kleid wäre eine angemessene Geste.«

Der Hauptmann der Wache wusste nicht, wie er reagieren sollte. Die Situation war zu verworren, zu öffentlich.

Den Bruder eines Lords verhaften?

Eine bekannte Diebin, die scheinbar im Auftrag des Lords handelte?

Lyriel nutzte die allgemeine Verwirrung, nickte kurz Richtung ihrer Rivalin mit der Fuchsmaske – ein Zeichen widerwilligen Respekts – und warf dem Amateurduo ein anerkennendes Lächeln zu.

Dann, bevor jemand sie aufhalten konnte, ging sie mit ruhigen, selbstbewussten Schritten zur großen Freitreppe.

Sie verließ den Ballsaal so, wie sie ihn betreten hatte: als wäre sie die Herrin der Lage. Jeder Schritt war eine stille Machtdemonstration. Die Menge teilte sich vor ihr wie das Meer, und das Gemurmel folgte ihr wie eine Welle, eine Mischung aus Ehrfurcht und Skandalhunger. Sie spürte die Blicke im Rücken, aber sie drehte sich nicht um.

Draußen in der kühlen Nachtluft atmete sie tief durch.

Sie blickte nochmal kurz zurück auf die hell erleuchteten Fenster der Residenz, aus denen immer noch Musik drang.

Ein Lächeln huschte über ihre Lippen.

»Nie wieder Maskenbälle«, murmelte sie zu sich selbst, während sie in den Schatten der Gassen verschwand.

Aber in ihren Augen blitzte ein Funkeln, das verriet, dass sie es nicht eine Sekunde lang glaubte.

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