Rutschpartie

Barbara Prinz

von Barbara Prinz

Story

Rußbach am Paß GschĂŒtt im Salzburger Land ist eine kleine Gemeinde im Bezirk Hallein in Österreich. In diesem kleinen Ort machten wir Winterurlaub, ich war knapp 6, meine Schwester 8. Meine Mutter nahm damals öfters Kinder einer bekannten Familie als Ersatzmama auf. Als wir mit unserem weissen Kombi voll beladen nach Rußbach fuhren, waren wir zu 6. Wir Kinder waren aufgeregt: nach lĂ€ngerer Zeit „Urlaub am See“, durften wir diesmal einige Tage im Schnee verbringen. Das Quartier war sehr gemĂŒtlich. Ich erinnere mich an den Kachelofen, der wohlige WĂ€rme verbreitete. Die Holzbetten faszinierten mich: Sie waren aus dem gleichen Holz gefertigt, und wir hatten rot-weiss karierte Decken und Pölster.

Am ersten Tag erforschten wir gemeinsam die Umgebung. Das Haus lag direkt an einem HĂŒgel. Ein schmaler Weg fĂŒhrte direkt in das nĂ€chstgelegene Dorf. Papa sorgte fĂŒr unser FrĂŒhstĂŒcksgebĂ€ck. Es hielt uns nicht lange in den kuscheligen Betten. Zeitig am Morgen gab es frische Semmeln und Kipferln mit Butter und Lieblingsmarmelade, die wir extra von daheim mitgebracht hatten: Marille und Erdbeere. Mhmm, das schmeckte so gut!

Eines Tages fragte ich meine Mutter, ob wir irgendwo einen Schlitten erstehen könnten. Wir Kinder hatten ĂŒberall im Bauernhaus und rund um das GebĂ€ude nach einer Rodel Ausschau gehalten, aber leider nichts entdeckt. „Ich hab eine viel bessere Idee!“, sprach meine Mama und strahlte ĂŒber das ganze Gesicht. „Lass mir Zeit, ich bereite vor. Spielt noch eine Weile draussen, dann kommt zur Jause. Da erklĂ€re ich Euch, wie wir die Sache mit dem Schlitten lösen.“ Gesagt, getan. Nach einer Weile stapften wir in die gute Stube und wĂ€rmten unsere kalten HĂ€nde und FĂŒsse auf.

Beim Kachelofen knisterte das Feuer, wir versammelten uns beim Esstisch. Die Kakaobecher dampften, die reschen Semmeln krachten beim Abbeissen, ich liebte diese Jausenzeit besonders. Als meine Mutter sich vom Tisch erhob und mir zuzwinkerte, wusste ich Bescheid: Wir wĂŒrden nun des RĂ€tsels Lösung erfahren. Hatte sie einen Schlitten fĂŒr uns ausfindig machen können? Es kam besser:

Meine Mutter hatte ĂŒberzĂ€hlige Polster in feste BauschuttsĂ€cke gesteckt, die sie in unserem Auto entdeckt hatte. Damals bauten wir gerade am Haus. Daher waren die MĂŒllsĂ€cke “mit dabei“. Wir Kinder waren begeistert. Blitzschnell sprangen wir in unser Gewand, auch wenn sich dieses teilweise noch etwas „frisch“ anfĂŒhlte. Schon waren wir auf der Schneepiste. Unser HĂŒgel war perfekt fĂŒr diese „Polsterrutschpartie“ geeignet.

Mama hatte wirklich an alles und jeden gedacht. Als unsere Eltern mit uns den Berg mehr hinunterrollten als rutschten, konnten wir Kinder vor lachen kaum mehr den HĂŒgel hinaufsteigen. Das war ein großes Geschenk, so viel Spaß, so viel Freude, so viel Liebe in einen einzigen Nachmittag gepackt. Ich erinnere mich noch heute an dieses starke GefĂŒhl, welches mich damals durchströmte.

Wie ich ins Bett kam, weiss ich nicht mehr. Die frische Luft machte mich so mĂŒde.

© Barbara Prinz 2019-10-27

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