Die Welt ist eine andere geworden. Was uns vor ein paar Wochen noch selbstverständlich schien, ist über weite Strecken weggebrochen, zerbröselt zwischen unseren Fingern und unter unseren schreckgeweiteten Augen. Die Welt hat sich selbst angehalten. Plötzlich sind wir auf uns zurückgeworfen und sind aufgerufen in uns aufzuräumen – nicht nur den Schlafzimmerschrank, sondern auch und vor allem unsere Seelenräume – jeder für sich und als Familie. Das ist kein Sonntagsspaziergang.
Es ist Samstag Nachmittag. Ich sitze auf der Terrasse und schwanke in meinem Herzen zwischen angstbehafteten Gedankenspielen und dem Sonnenstrahl der Zuversicht. Ähnlich einem Pendel, das sich zwischen den Polen erst seine eigene Mitte erringen muss. „Das wird schon“, denke ich mir plötzlich. Und mit diesem Gedanken fällt mir jene Situation ein, als dieser Satz erstmals zu einem Anker in meinem Leben wurde.
Ich war damals gerade frisch geschieden, meine zwei Vierjährigen tollten rund um mich, lachten, spielten. Ich haderte damals heftig mit dem Verhalten meines ehemals Angetrauten und offenbar war meine Gemütsregung im Außen wahrnehmbar. Denn plötzlich kam mein kleiner Sohn vor mir zum Stehen, nahm meine Hand, blickte mir tief in die Augen und sagte: „Mama, das wird schon“ Es war ein heiliger Moment. Augenblicklich weitete sich etwas in mir. Mein kleiner, großer, weiser, wundervoller Vierjährige hatte mich mit diesen Worten an mich selbst erinnert – und die Welt in mir wurde wieder licht.
Meine Gedanken wandern wieder in die Gegenwart: Wie wird es wohl weitergehen mit unserer Firma, unserer Existenz? Die wirtschaftliche Lage ist eine echte Herausforderung. Die derzeitige Hauptaufgabe ist für mich, mich immer wieder aufs Neue innerlich aufzurichten, über die eignen Schattengestalten unbewusster Ängste, die durch diese Krise an die Oberfläche kamen, hinauszuwachsen. Über mich selbst hinauszuwachsen, um den Blick für das Ganze nicht zu verlieren, die Zuversicht und die Möglichkeiten im Blick zu behalten. Kein Kinderspiel!
Plötzlich setzen sich meine beiden nunmehr 25jährigen Söhne neben mich. Einer nimmt meine Hand, blickt mir in die Augen und lächelt: „Mama, das wird schon! Denk doch nur, was du schon alles bewältigt hast. Alles hast du mit Bravour bestanden, bist an all deinen Krisen gewachsen. All diese Kraft ist in dir. Das weißt du doch – auch, wenn Du sie jetzt vielleicht in manchen Augenblicken nicht bewusst spürst. Sie ist da!“ Worauf der andere ergänzt: „Wie auch immer das weitergeht, Mama. Es geht weiter und ich weiß: Du schaffst das! Wir schaffen das!“
Mein Vater fällt mir ein, der schon nahezu 30 Jahre nicht mehr unter uns ist. Er war es, der das Credo stets hochhielt und dadurch in mich pflanzte: „Wir sind ein Team!“
Tief in mir beginnt sich ein warmes Glücksgefühl auszubreiten. Es sind Augenblicke wie diese, die dem Leben ein Lächeln schenken und ein inniges Danke! Ja, das wird schon! Wir schaffen das!
#CorCooning #myAbility
© Cornelia Schaefer 2020-05-03