von SusiBock
Nein, MEIN Grätzl ist es nicht. Ich bin sozusagen angeheiratet oder besser: zuagrast. Mit der Zeit hab ich mich eingefunden, in Meidling (12. Wiener Gemeindebezirk), ins Fuchsenfeld. Laut Wikipedia geht der Name auf Michael Fuchs zurück, der aus der Pfalz nach Wien eingewandert war und hier 1852 das Gasthaus Zum Fuchsen eröffnet hat. Die umliegenden Wiesen wurden Fuchsenfeld genannt. Es liegt entlang der Längenfeldgasse, auf beiden Seiten begrenzt von den in Wien üblich imposanten Gemeindebauten, dem Fuchsenfeldhof und dem Reismannhof.
Bevor ich nach Meidling zog, waren meine einzigen Berührungspunkte, dass ich als Kind im angrenzenden Margareten (5. Wiener Gemeindebezirk) gewohnt habe, dass die Wiener Rockband Alkbottle eine Hymne darauf singt und die Meidlinger das L nicht richtig aussprechen können (wie die Chinesen das R). Was übrigens eine Mär ist: Berühmte Beispiele finden sich im Fußball, so stammt Hans Krankl etwa aus Mariahilf (6. Wiener Gemeindebezirk) und Herbert Prohaska aus Simmering (11. Wiener Gemeindebezirk).
Meidling hatte wenig Anziehungskraft für mich. Aber dann kam mein Mann mit seinen Kindern in mein Leben und die frischgebackene Patchwork-Familie brauchte eine größere Bleibe. Und die fanden wir im Fuchsenfeld. Neubau, 90 Quadratmeter, verteilt auf zwei Ebenen, mit einer Terrasse. Herz, was willst du mehr. Platz genug für alle. Das war vor fast 20 Jahren.
Seitdem lebe ich in Meidling, im Fuchsenfeld. So romantisch es klingt, so wenig idyllisch liegt es (vor allem, wenn man an Schönbrunn, den Wienerberg oder Hetzendorf denkt). Nahe Gaudenzdorfer Gürtel, Eichenstraße und des Bahnhofs Wien-Meidling herrscht hier vor allem eines: viel Verkehr. Damit meine ich nicht gewisse Etablissements, die es hier natürlich auch gibt. Sondern echt viele Autos.
Aus Protest gegen meine Einbürgerung in Meidling habe ich mir anfangs keine andere Gasse außer meiner eigenen gemerkt. Wozu auch. Ich wohnte hier, meine Freizeit verbrachte ich in schöneren Teilen Wiens und des Umlandes. Erst unser Hund Fredi brachte mich dazu, meine direkte Umgebung wahrzunehmen, anders zu sehen. Seit ich mit ihm Runden drehe, kann ich Ihnen jede Gasse zwischen Gürtel, Eichenstraße, Arndtstraße bis hin zur Philadelphiabrücke nennen. Außerdem kenne ich jeden Hund im Grätzel mit Namen. Und jeden Grashalm, jede Hausecke, jeden Baum.
Fredi öffnete mir die Augen für die Schönheit des Fuchsenfeldes und darüber hinaus. Es gibt hier verhältnismäßig viel Grün, richtige Alleen mit unzähligen Lindenbäumen, deren Duft in der Blüte nur noch vom vielstimmigen Summen der Bienen übertroffen wird. Am besten zu genießen beim morgendlichen 6 Uhr-Spaziergang mit Hund, wenn man auch die Eichenstraße noch bedenkenlos und einfach überqueren kann.
Meidling und ich haben uns aneinander gewöhnt, dennoch zieht es mich weiter aus der Stadt. Mein nächster Sehnsuchtsort ist Mauer in Liesing. Fredis kleine Freiheit. Ich werde berichten.
© SusiBock 2021-08-29