Meine Mama und Ich !

Daniela Kail

von Daniela Kail

Story

Was Mama will, geschieht auch! Da hatte nicht einmal mein sonst so strenger Papa eine Chance. Wollte sie ein Regal aufgebaut haben, lagen schon bei seiner Heimkehr von der Arbeit, Hammer, Nägel und die Bretter bereit. Da hatte „Mann“ gar keine Wahl.

Sie war auch immer schon die Finanzchefin des Hauses und sie hortete und verwaltete das Familienbudget wie eine Bankdirektorin. Lange Zeit verzichtete sie für die Familie auf ein eigenes Einkommen, doch irgendwann suchte sie sich wieder eine Herausforderung und jedes Familienmitglied mit Brille hatte nun eine persönliche Beraterin. Ihr eigentliches Talent aber liegt in einem anderen Bereich. Egal, wo sie hinkommt, die Kinderherzen fliegen ihr schon von Weitem zu. Es ist eine Gabe, um die ich sie wirklich beneide. Leider konnte sie als junges Mädchen die Ausbildung zur Kindergärtnerin nicht beginnen, da die Schule in Mistelbach ein paar Jahre zu spät eröffnet wurde – “sie sei schon zu alt dafür”, sagte man ihr damals.

Als das Schmuck- und Brillengeschäft schließlich pleiteging, ergriff sie endlich die Chance, um als Tagesmutter mit Kindern zu arbeiten. Hauptnutznießer dieser Entscheidung waren ganz klar meine Tochter und ich. Denn einerseits hatte ich somit die perfekte Betreuung für mein Kind, andererseits konnte Melanie stundenlang bei ihrer heiß geliebten Oma sein.

Als Volksschulkind entschloss sie sich sogar eines Tages, ganz bei Oma einzuziehen. Nach einem Streit mit ihrem Papa packte sie ihren Koffer und wollte schon losmarschieren. Im letzten Moment konnten wir sie doch noch zum Bleiben überreden. Der Koffer blieb vorsichtshalber eine Woche in der Küche stehen – für alle Fälle!

Meine Mama ist sehr gesellig und aktiv. Faul auf der Couch zu liegen ist gar nicht ihr Ding. Am liebsten ist sie unterwegs, trifft sich mit vielen verschiedenen Menschen, tratscht an jeder Ecke und die tägliche Kaffeejause ist Pflicht. Und wenn ihr gar nichts anderes mehr einfällt, putzt sie das Haus, bis alles blitzt.

Meine Mama ist ein Helferlein. Braucht jemand ihre Hilfe, ist sie sofort zur Stelle. Nicht immer bekommt sie zurück, was sie gibt – aber vielleicht ist das ja auch gar nicht das Ziel. Sie sagt ihre Meinung, auch wenn diese manchmal unangenehm für andere ist. Nicht leicht kann man sie verärgern und wird sie doch einmal böse, verzeiht sie schnell wieder.

Meine Mama ist mein Vorbild, mein Anker, mit ihr kann ich über die dümmsten Sachen lachen, weinen, streiten und über Männer lästern. Ich kann mit ihr nach Skandinavien reisen, in der Therme chillen, den Buschberg besteigen und über Feldwege wandern. Mit ihr kann ich Wände einreißen, eine Holzdecke demolieren, Ziegel schleppen und Schutt schaufeln. Es gibt nichts, was wir nicht gemeinsam schaffen können.

Sie ist einer meiner Lieblingsmenschen – mein Ein und Alles. Love you Mum!

© Daniela Kail 2022-03-28

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