von Sabine Doods
Die Sonne wird bald untergehen und den Himmel rosarot verfärben. Meine rotlackierten Zehen ziehen Spuren durch den weichen, warmen Sand. Ich setze mich auf eine Strandliege und lausche dem gleichmäßigen Rauschen der Wellen. Außer mir ist niemand zu sehen.
Mein erster letzter Tag geht zu Ende, und wie ein Film zieht mein gelebtes Leben an mir vorbei.
Der Moment, als ich als Kindergartenkind mit meiner Freundin den Osterhasen um die Ecke hoppeln sah – die Erwachsenen haben es damals glatt verpasst, weil sie so in einem Gespräch vertieft waren.
Die vielen Male, wo ich den ganzen Tag im Hof herumgestreift bin. Die langen Haare zu zwei Zöpfen geflochten, mein Gesicht von Schmutzspuren durchzogen. Auf Bäume geklettert, Fußball gespielt. Mich ganz frei gefühlt.
Der erste Kuss, und später der beste Kuss. Das erste Mal Schmetterlinge im Bauch. Dieses Gefühl, als ob man fliegen würde. Und die ganze Welt umarmen möchte.
Meine Auslandsjahre, die mein reisefreudiges Herz glücklich gemacht haben.
All die Menschen, denen ich begegnen durfte, die mein Leben so viel schöner und bunter gemacht haben.
Meine verschiedenen beruflichen Tätigkeiten, wo auch immer Menschen im Vordergrund standen.
Die Geburt meiner Tochter und die Mutterliebe, die ich erfahren durfte. Ein Gefühl, welches viel stärker ist, als alles andere, was ich zuvor erlebt habe. Das alles andere kleiner und unbedeutender erscheinen lässt. So als ob die Lebenskarten neu gemischt worden wären.
Und schließlich all die Dinge, die ich für mich getan habe: das Schreiben, das Malen, in einem Buch versunken die Welt um einen herum vergessend. Das Laufen und die Zen-Meditation.
Mein Herz füllt sich mit Dankbarkeit und Liebe. Ich lasse jeglichen Groll los, den ich noch gegen jemanden hege, und bitte all jene um Verzeihung, die ich verletzt haben könnte.
Der Wind streicht mir sacht durch die Haare, die Wellen plätschern leise vor sich hin. Ich stehe auf und gehe den Strand entlang, meine Füße hinterlassen Abdrücke im feuchten Sand. Mit den Wellen werden sie bald weggespült werden. Ich spüre eine tiefe Ruhe in mir. Ich bin bereit. Wohin auch immer meine Reise gehen wird.
© Sabine Doods 2021-07-18