von Aloisia Vanicek
Wenn ich zurückdenke, dann stelle ich fest, dass ich in der früh immer müde war. Ein Arzt sagte einmal zu mir, ich solle länger schlafen. Je länger ich schlief, um so müder wurde ich. Morgens nie ausgeschlafen, muffelig und redfaul.
In der Früh versuche ich meinem Spiegelbild auszuweichen. Ich schreck mich immer, weil ich die weibliche Person, der ich einen guten Morgen wünschen möchte, nicht kenne.
Mein Mann ist sofort munter und könnte mit geschlossenen Augen Geschichtsdaten aufzählen.
Meine beiden Töchter sind diesbezüglich mein Abbild. Grantig, mies drauf und unausgeschlafen, obwohl früh genug zu Bett gegangen.
Wie hält man als Morgenmuffel zwei ebensolche Morgenmieslinge aus?
Ganz einfach! Ich stand immer um 5.30h auf, rannte jedesmal schlaftrunken in den Türrahmen und suchte das WC, ich meine wirklich suchen. Während ich das Wichtigste des Morgens, nämlich Kaffee, zubereitete, lief Badewasser in die Wanne. Rauchend und Kaffee schlürfend lag ich ca. 15-20 Minuten im Wasser und meine Lebensgeister erwachten. Nach dem morgendlichen Schönheitsritual – eincremen, schminken, föhnen, war mir auch mein Spiegelbild wieder sympathisch. Ich lächelte es an wünschte einen schönen Morgen und meine Laune stieg, als ich genau so freundlich begrüsst wurde. Dann bereitete ich in aller Ruhe das Frühstück für meine Familie. Im Hintergrund lief das Radio und ich kommentierte so manche Ansage.
So gegen 6.30h weckte ich meine bessere Hälfte, die beneidenswerter Weise gut gelaunt und ausgeschlafen mich mit einem Morgenkuss begrüsste und jeden Tag fragte: “Wie geht es dir, gut geschlafen?” Dann folgte unser Morgenritual, welches wir auch heute, nach fast 50 Jahren noch durchführen. Er sitzt am Bettrand, ich stelle mich zwischen seine Beine, öffne meinen Morgenmantel und wir kuscheln ausgiebig.
Um 7h ging ich singend: “Auf, auf ihr Hasen hört ihr nicht den Jäger blasen” in die Kinderzimmer und weckte die Mädels. Meistens erfolglos. Ausser mürrische Antworten: “Lass mich schlafen, ich will nicht aufstehen!” war nichts zu machen. Also schnappte ich eine nach der anderen und trug sie ins Wohnzimmer zum Esstisch. Diese Gesichter, miese Launen und Herumgelungere konnte ich nun ohne Probleme aushalten.
Vorteil meiner Langschläfertöchter war, dass ich am Wochenende bis mindestens 9h schlafen konnte. Die Mädels blieben oft bis mittags im Bett. Also fiel Samstag Sonntag mein Töchter-Mutter Aufweckspiel aus.
Natürlich wuchsen die beiden und wurden immer schwerer. Trotzdem liess ich es mir nicht nehmen dieses Aufweckzeremoniell solange beizubehalten, bis ich sie nicht mehr tragen konnte.
Diese Morgenmuffelei hat sich auch auf meinen Enkel vererbt.
© Aloisia Vanicek 2022-04-27