Moribund – Wenn Hoffnung stirbt

Nora Böcker

von Nora Böcker

Story
USA 2014 – 2024

28.08.2014

Ich wurde in einen Strudel gezogen, die Luft wurde mir abgeschnĂĽrt. Ich musste hier weg. Ich hielt es nicht mehr aus. Alles tat weh, ich konnte mich nicht mehr bewegen.

Wäre ich doch nur mit ihr gefahren, dann hätten wir beide ein Auge auf die Straße gehabt. Hätten wir gewartet…

Aber da war es schon zu spät. Ich hörte die Sirenen des Krankenwagens – sah ihn vor meinem geistigen Auge um die Ecke fahren. Aber er kam nicht. Niemand kam. Doch die Sirene in meinem Kopf wurde immer lauter. 

Warum kam er nicht? 

Warum kam… niemand?

Warum war ich allein?

Allein… Sie hatte mich verlassen… und würde niemals wiederkommen. 

Und ich tat genau dasselbe.

Ich schnappte mir meine Sachen, alles, was ich tragen konnte und marschierte los. Ich wollte weg von den Erinnerungen, weg von meinen verständnislosen Eltern. 

Der Regen wurde weniger und der Wind legte sich, als ich am Ortsausgang war und das hölzerne Little Austin-Schild mit den bunten Lettern betrachtete, von dem ich mir schwor, es nie wieder zu sehen.

Der Weg bis zum Bahnhof war lang und schwer, aber ich fĂĽhlte nichts mehr. Ein groĂźer Teil in mir ist mit ihr gegen den Baum gefahren. Und dieser Teil ist jetzt tot, zurĂĽck lieĂź er eine leblose HĂĽlle, die sich ein neues Leben aufbaute, weit weg von hier. Sie wusste noch nicht wo, aber es war weit weg.

Ich stieg in den nächsten Zug, zählte ein letztes Mal die Eichen, die an mir vorbeizogen und schloss anschließend die Augen. Das hier war ein Neuanfang.







© Nora Böcker 2024-08-25

Buchkategorie
Romane & Erzählungen
Stimmung
Emotional, Inspirierend, Traurig