So verabschieden sich die Brüder David und Jakob, wenn sie sich trennen müssen. Sie legen die Zeigefingerspitzen aneinander, machen ein weinerliches Gesicht und imitieren E.T., den Außerirdischen: “Nach Haus, nach Haus telefonieren.” Dann zünden sie akustisch eine Rakete und stieben auseinander. E.T. (Extra Terrestrial) – der Film von Steven Spielberg aus dem Jahr 1982 ruft in besonderem Maße Emotionen hervor: Sehnsucht, Heimweh, Verbundenheit, Freundschaft-
Außerirdische landen auf der Erde, um Pflanzenproben zu sammeln. Sie werden gestört und müssen überstürzt mit ihrem Raumschiff abfliegen. Dabei lassen sie versehentlich einen ihrer Gefährten zurück. Der kleine Außerirdische sucht Unterschlupf im Schuppen eines Hauses. Dort entdeckt ihn der zehnjährige Elliott, der mit seiner Mutter und seinen Geschwistern in dem Haus lebt. Zwischen ihm und dem kleinen Besucher entsteht rasch eine enge Freundschaft. Beide sind einsam: Elliott vermisst seinen Vater, der die Familie vor kurzem verlassen hat, und E.T. vermisst seine Gefährten, die ihn „3Millionen Lichtjahre von zuhause“ entfernt auf der Erde zurückgelassen haben. E.T. beginnt, wie ein Kind die menschliche Sprache zu lernen, und er und Elliott erleben mal komische, mal tragische Abenteuer, während E.T. sein Heimweh ausdrückt, indem er „nach Haus telefonieren“ will. (Wikipedia)
Elliott muss lernen, E.T. loszulassen, damit er in seine Welt zurückkehren kann. Im Herzen Wehmut, aber auch unvergessliche Beziehung.
Ich gestehe, ich bin keine Freundin von Science Fiction, aber ET habe ich ins Herz geschlossen. –
Aus den Sternen gefallen, fremd in der Welt mit einer unstillbaren Sehnsucht nach Heimat. Ein bisschen erinnert mich ET an den Kleinen Prinzen von Saint-Exuperie – auch eine Geschichte über Heimweh und Freundschaft und Loslassen. Und sind nicht alle unsere Kinder und im besonderen Jakob in seiner Bedürftigkeit, aber auch seiner reichen Herzensbegabung – kleine Prinzen und Prinzessinen aus einer anderen Welt. Langsam müssen sie sich in unserer Welt zurechtfinden, sie kennenlernen und erobern. Voll Mut, Staunen und Zuversicht, die nur aus der Geborgenheit kommen kann. Und müssen wir Eltern nicht auch unsere Kinder loslassen, wie Elliott seinen Gefährten und wie der Pilot seinen kleinen Freund in der Wüste.
Und ist es nicht so, dass wir uns manchmal zurücksehnen nach dem bedingungslosen Vertrauen des Kindseins, nach Ablegen aller Verantwortung, nach Schutz und Sicherheit.
ET und Jakob sind gleich alt und seine Brüder haben damals eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Außerirdischen festgestellt – eine liebenswerte Hilflosigkeit und ein tolpatschiges Hineinwachsen in eine komplizierte Welt. So wurde ET eine Zeit lang sein liebevoller Spitzname.
ET wurde heuer vierzig, der Kleine Prinz sogar achtzig und wenn auch einiges von dem Zauber verloren ging, bleiben sie liebenswürdige Zeitgenossen mit dem Heimweh: “Zurück zu den Sternen”. (Erich von Däniken – Argumente für das Unmögliche.)
© Christine Sollerer-Schnaiter 2023-01-29