NarrenSpiel

Erich Stöger

von Erich Stöger

Story
fast überall auf der Welt 2024

Vorweg sei festgehalten, ich möchte keinem Narren nahetreten, aber leider liegt mir dieses Narrentreiben so gut wie gar nicht. Eigentlich hat es mich, soweit ich zurückdenken kann, nicht interessiert. Aber natürlich gilt: jedem das Seine. Soweit ich weiß, geht dieser Brauch des Verkleidens und des lustig, verrückt und betrunken zu sein, weit in die Vergangenheit zurück. Damals sollen die meisten Menschen, nämlich all jene, die ohnedies nichts hatten, sich in irgendjemanden anderen oder etwas anderes verwandeln dürfen und andere, meist die „obigen“ verspotten dürfen. Und das ohne Konsequenzen von oben. Denn die „Obigen“ konnten ja sowieso feiern, wann immer sie wollten. Auch die Kirche hatte dagegen wenig einzuwenden. Wie gesagt, das alles findet sich irgendwo in meinem abgespeicherten Wissen und muss nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen.

Unsere nördlichen Nachbarn sind wahrscheinlich die Weltmeister dieses Treibens schlechthin. Jedem Karneval seinen König und Königin. Auch die Prinzen mit ihren Prinzessinnen dürfen nicht fehlen. Die armen Kinder, wird ihnen das wirklich schon in jungen Jahren von zu Hause mitgegeben? Natürlich bin ich den Kindern in ihren Kindergärten und Schulen ihr Vergnügen vergönnt. Aber Vierzehnjährige, die nach den diversen Umzügen und anderen Feiern im Alkohol versinken, da wäre doch ein Nachdenken angebracht. Ohne einen exotischen Vergleich anstellen zu wollen, aber der Karneval in Rio, ich muss den aber auch nicht haben, präsentiert für mich Tanz und tolle Kostüme und nicht das Rumgehüpfe wie bei uns, wo es von Cowboys, Gespenstern, Hexen und wer weiß, was noch alles nur so wimmelt. Um Missverständnissen vorzubeugen, ich meine mit exotisch nicht die überwiegend leicht bekleideten Mädchen und Frauen. Zurück in unsere Gefilde. Um meine nicht vorhandene Begeisterung diesbezüglich kundzutun, vermeide ich in dieser Zeit alle deutschen TV-Sender, um mir das alles zu sparen. Im österreichischen TV sind Sendungen dieser Art zwar auch vorhanden, aber gottseidank nicht in diesem Umfang. Kärnten, die Hochburg des heimischen Narrentreibens, muss man ja auch nicht unbedingt mitverfolgen. Lei Lei! Es gibt andere Sender und wenn alle Stricke reißen, dann gibt es ja noch Bücher und Musik. Das einzig Positive dieser Narrenzeit ist die Ballsaison. Nein, ich bin kein Tänzer und daher auch kein Ballbesucher. Aber sagen die Wiener nicht, der Fasching ist die fünfte Jahreszeit. Auch verrückt, aber auf einem anderen Niveau. In feiner Kleidung zu feiern und Spaß zu haben, das gibt sicherlich etwas her. Soll heißen, lieber eine Abendrobe ausgeliehen, als ein Narrenkostüm überzustreifen. Um es nochmals zu erwähnen, jedem das Seine. Narren, bitte seid mir nicht böse, ich tue nur meine Einstellung zum lustigen Treiben kund.

In China hat gerade das Jahr des Drachen begonnen (kein Fasching). Na ja, auch eine eher exotische Kultur. Hoffentlich bereitet uns der Drache während seines Daseins keine Schwierigkeiten. Und gibt es da nicht auch noch einen russischen Bären? Oh, jetzt bin ich kurz vom Weg abgekommen. Ist politisch gemeint und passt so gar nicht in unser Faschingstreiben.

Also all ihr Narren, lachen nicht schimpfen. Es ist wirklich nicht böse gemeint! Lei Lei!

© Erich Stöger 2024-02-14

Genres
Romane & Erzählungen, Humor& Satire
Stimmung
Emotional, Komisch, Unbeschwert
Hashtags