von Pia_Lamm
Nach Logroño komme ich 2018 zusammen mit meiner Mutter mit einem Zug aus Bilbao. Deswegen starten wir ziemlich spät in voller Sonne und Hitze. Zuerst führt der Weg noch relativ lange durch die Stadt selbst, wir nutzen also so gut es geht den Schatten der Häuser. In einem Supermarkt gönnen wir uns noch ein Eis. Am Rande der Stadt verläuft der Camino über eine große Parkanlage mit riesigen Oleandersträuchen, schlanken Zypressen und Bewässerungsvorrichtungen mit kleinen Regenbögen, die sich über den Wasserstrahlen auffächern. Wir entdecken auch interessante Bäume, an denen lange gelbliche Blätter wie Schleifen runterhängen.
Dann führt der Weg ein Stück in der prallen Sonne direkt am Stausee – Pantano de la Grajera. Mehrere Fahrradpilger sausen an uns vorbei und ich beneide sie. Ein Fahrrad hätte ich jetzt auch gerne, um schnell aus der Sonne zu verschwinden. Gleich danach kommt zum Glück ein Stückchen Wald mit ein paar Bänken, auf die wir uns dankbar fallen lassen. Um uns herum toben sich Eichhörnchen aus.
Westlich vom Stausee treffen wir auf eine kleine Holzhütte – Ermita del Peregrino Pasante. Marcelino ist ein Camino-Urgestein. Seit den 70er Jahren ging er den Weg schon viele Male. In den 80er tat er das sogar in mittelalterlicher Kleidung, die er selbst angefertigt hatte. Jetzt begrüßt er die anderen Pilger, die an seiner Einsiedelei vorbeikommen. Auch wir lassen unsere Pilgerpässe bei ihm stempeln und füllen unsere Wasserflaschen auf. Ich höre das immer wieder – wenn man einmal auf den Geschmack des Jakobswegpilgerns gekommen ist, lässt es einen nicht mehr los. Stimmt wohl, denn ich selbst gehe den Weg nun zum dritten (meine Mutter zum zweiten), und ich hoffe sehr nicht zum letzten Mal.
Der Weg führt jetzt auf und ab durch grüne, oft mit Weinbergen bedeckte Hügel, dann ein langes Stück entlang der Hauptstraße, und das praktisch ohne Schatten. Auf dem Mittelstreifen wachsen wieder herrlich blühende Oleander, abwechselnd weiß und rosa. Seit meinem vorletzten Besuch in Rom bin ich ein Riesenfan von diesen Sträuchern. Ich habe sogar zu Hause einen, den ich vom Samen aufgezogen habe und der nun seit drei Jahren weiß blüht – die einzige Pflanze außer Aloe vera, die es mit mir aushält. Links auf dem Hügel weist eine Stier-Silhouette in die andere Richtung, wahrscheinlich nach Pamplona.
Endlich erscheint vor uns Navarrete. Wir laufen jetzt auf einem Schotter-Sand-Pfad zwischen den Weinbergen. Die Mischung aus Sonne, Hitze und Staub macht uns echt zu schaffen. Die Weinwerbung direkt am Weg macht einem den Durst noch bewusster. Der Schild ‚Hospital de Peregrinos San Juan de Acre‘ bezieht sich leider nur auf die 30 cm hohe Ruine, an der wir vorbeilaufen. Wir müssen also noch weiter.
In der Herberge angekommen, gönnen wir uns zuerst eine kalte Limonade und ein paar Stunden Schlaf und am Abend gehen wir wieder ins Zentrum zur Vorabendmesse. Am Ende des Gottesdienstes höre ich zum ersten Mal das spanische Original des Lieblingsliedes von Johannes Paul II: „Señor, me has mirado a los ojos sonriendo has dicho mi nombre en las arena he dejado mi barca junto a ti buscar otro mar“
© Pia_Lamm 2024-07-19