von renate schiansky
God dag alle sammen! Ich bin Nelly Nordpol, eine Eisbärin, und das neben mir, das ist Nils, mein Sohn. Er ist noch jung und ich hoffe, dass er einmal zu einem großen, starken Eisbären heranwächst. Zur Zeit ist er noch sehr klein und schwach. Ich kann ihn nicht so gut ernähren, wie ich gerne möchte, denn ich bin selbst sehr mager. Es gibt nicht viel zu fressen mehr hier, wir Eisbären leiden permanent an Hunger. Die Klimaerwärmung ist hier in der Arktis ganz besonders stark ausgeprägt. Dadurch schmilzt das Eis, die Schollen brechen ab, und wir Bären finden uns ganz plötzlich auf einer kleinen Eisscholle, weit draußen auf dem Meer, abgeschnitten von all unseren Nahrungsquellen. Wir finden keine Robben mehr, die wir jagen können. Und wenn wir uns, ohnehin völlig gegen unsere Natur und gegen jegliches besseres Wissen, an die menschlichen Siedlungen wagen, um eventuell im Abfall noch irgend etwas zu finden, das wir fressen können, dann werden wir unbarmherzig verjagt oder gar erschossen. Wir sind ohnehin nicht mehr viele, und bald wird es wohl gar keine weißen Bären mehr geben.
Dabei sind wir gut an das Leben hier oben im kalten Norden angepasst! Die Haut unter unserem weißen Fell ist nämlich ganz schwarz und absorbiert daher gut das bisschen Sonnenenergie, das sich zu uns hierher verirrt. Unter der Haut haben wir eine dicke Fettschicht, die uns gut vor der Kälte schützt, genauso wie unsere Deckhaare. Die sind nämlich hohl und bilden daher ein gutes, isolierendes Luftpolster.
Da am Nordpol nichts wächst, sind wir auf Fleisch angewiesen. Wir können Robben zum Beispiel auf eine Entfernung von über einem Kilometer aufspüren! Und wir sind sehr geduldig. Oft warten wir stundenlang an einem Eisloch, bis eine Robbe auftaucht. Wenn wir sie dann erlegt und unseren Hunger gestillt haben, können wir es wieder eine Woche ohne Nahrung aushalten. Und das ist auch gut so, denn es kann sehr lange dauern, bis wir wieder Futter finden.
Mittlerweile kennen uns die meisten Menschen nur noch aus den Zoos. Aber dort geht es uns gar nicht gut. In viel zu kleinen Gehegen werden wir gehalten, wo wir uns nicht richtig bewegen können – du musst wissen, in freier Natur durchstreifen wir Gebiete von mehreren tausend Quadratkilometern! Das kann kein Zoo bieten. Meist ist unser Leben im Zoo auch sehr langweilig. Wir können nur auf und ab gehen und in einem winzigen Tümpel planschen, anstatt meilenweit zu rennen und zu schwimmen. In vielen Zoos ist es für uns auch viel zu warm. Mit unserem dicken Fell sind eure 30, 35 Grad für uns eine Qual, immer wieder stirbt einer von uns an zu großer Hitze.
Wenn ich mir etwas wünschen darf, dann, dass ihr dafür sorgt, dass unser Lebensraum in der Arktis nicht weiter zerstört wird! Und dass ihr keinen meiner Brüder mehr in euren Zoos einsperrt und für euer Vergnügen zur Schau stellt! Dafür bewachen wir gerne als Plüsch – Kameraden in euren Schlafzimmern eure Träume!
© renate schiansky 2024-12-08