Oma und die Liebe

MariaFichtinger

von MariaFichtinger

Story
1945 – 1958

Meine Oma und ich hatten eine sehr enge Beziehung. Aus diesem Grund hat sie mir auch viele Geschichten von frĂŒher erzĂ€hlt. Unter anderem auch die Geschichten der VĂ€ter ihrer Kinder.

Meine Oma dĂŒrfte frĂŒher, als junge Frau nicht das gewesen sein, was man unter einer Schönheit versteht. FĂŒr die Nazis war sie aber der Innbegriff einer Arierin, blonde Haare, blaue Augen. Trotzdem hatte sie fĂŒr die Nazis nichts ĂŒber, so wurde sie nicht erzogen. Ihre erste Tochter bekam sie von einem Schneider. Dieser wohnte ein paar Ortschaften weiter und reparierte die Uniformen der Soldaten. Zuerst, die der Nazis, dann die der Alliierten. Kaum war sie schwanger, hat er sie auch schon stehen lassen. FĂŒr damalige VerhĂ€ltnisse, zum Ende des zweiten Weltkrieges, eine Katastrophe. Man stelle sich den Skandal in diesem kleinen Kaff vor, dass sie ihr zu Hause nannte. Sie war verschrien als Hure. Meine Tante wurde als Bastard geboren. Gelebt haben die beiden bei meinen Urgroßeltern. FĂŒr meine Uroma, ein Weltuntergang. Sie war noch nie gut auf meine Oma zu sprechen, denn die kleine Josefa war aufmĂŒpfig und ein NachzĂŒgler, also verspĂ€tet nochmal ein Maul zu stopfen. Und genau sie brachte nun ein zusĂ€tzliches Maul zu stopfen mit nach Hause. Es dauerte einige Zeit, da lernte sie einen gutaussehenden Mann aus der nĂ€chsten Stadt kennen. Er war etwas besseres, wie sie so schön zu sagen pflegte. Damit meinte sie, dass er die Handelsschule besucht hatte und SekretĂ€r war. Ja heute bekommt man keinen Job mehr , wenn man nur die Handelsschule besucht hat, damals war man etwas besseres. Meine Oma war so verliebt in diesen Mann und er anscheinend auch in sie. Denn bald war sie wieder schwanger. Der StĂ€dter wollte meine Oma sogar heiraten, obwohl sie einen Bastard hatte. Die Freude bei meiner Oma war groß. Das muss man sich mal vorstellen, jemand, der etwas besseres war, aus der Stadt, wollte sie, trotz eines Bastards heiraten. PlĂ€ne wurden geschmiedet, doch diese PlĂ€ne wurden bald wieder zerstört. Denn die Eltern des SekretĂ€rs hatten was dagegen, dass dieser eine Frau heiraten wollte, die scho ein uneheliches Kind hatte und dann auch noch von einem Dorf, aus einer Arbeiterfamilie. Auch mein Uropa war nicht so begeistert davon. Er wollte lieber einen anstĂ€ndigen Mann, einen Arbeiter als Schwiegersohn. So wie sein erster Schwiegersohn, ob der anstĂ€ndig war, das ist eine andere Geschichte. Also erwartete meine Oma nun schon ihr zweites uneheliches Kind, von zwei verschiedenen VĂ€tern. Meine zweite Tante wurde von meinem Uropa sehr geliebt, sie war meiner Oma in so vielen Dingen so Ă€hnlich. Einige Jahre vergingen und meine Oma lernte meine Opa kennen. Mein Opa heiratete eine Frau, die Ă€lter war als er und zwei uneheliche Töchter hatte. Man stelle sich das mal vor! Mit meinem Opa bekam sie noch zwei Söhne. Meinen Onkel und meinen Papa. Leider verstarb mein Opa relativ bald, aber auch das ist eine andere Geschichte.

© MariaFichtinger 2022-08-16

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