Die Sonne brannte auf mein Gesicht. Es war längst September, doch das Wetter wollte das Ende des Sommers nicht wahrhaben. Ich wechselte vom Weg direkt in die weite Wiese und lauschte dem Knirschen des Bodens. Ein paar Blätter erinnerten an den bevorstehenden Herbst und brachten mich auf den Gedanken, dass das Jahr bald vorbei sein würde. Es beunruhigte mich, dass die Zeit mir gerade so durch die Finger lief und ich nichts tun konnte, als jeden Tag zu genießen. Auch wenn mein Leben erst in den Startlöchern steht, fühlt es sich doch oft so an, als wäre jeder Tag ein Tag weniger, abgezogen von der Anzahl an Tagen, die für mich vorgesehen ist. Ja, ich denke tatsächlich, dass gewisse Dinge für einen vorherbestimmt sind. Bestimmte Ereignisse, schöne oder nicht so schöne, bestimmte Menschen und bestimmte Begegnungen.
Inzwischen war ich an meinem Lieblingsplatz angekommen. Umgeben von majestätischen Bäumen, die stolz in den Himmel ragten, blickte ich nach oben und schaute der Erde beim Sich-Drehen zu. Die Ruhe brachte mich immer wieder zurück zu mir selbst. Keine Stimmen, kein Lärm, nicht mal mein Handy, denn das hatte ich zu Hause gelassen, so wie immer, wenn ich eine Pause brauchte. Kein Bedürfnis mich irgendwem mitzuteilen. Nur ich, meine Gedanken und die Bäume. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich auf den Geruch unserer Erde. Wir merken es schon gar nicht mehr, wie gut unser Zuhause duftet.
Plötzlich streifte etwas meinen Arm. Zuerst dachte ich an einen Grashalm, der mir sanft Hallo sagen wollte. Doch es fühlte sich ganz anders an. Eher weich und lebendig. Ich öffnete meine Augen und richtete meinen Blick nach unten. Ein kleiner, junger, orangener Kater schmiegte seinen Kopf an mich. Als er bemerkte, dass ich ihn entdeckt habe, sah er mir direkt in meine Augen. Es war als würde er mir sagen: „Alles ist gut, du bist am richtigen Weg“. Nach einigen Sekunden streichelten meine Hände über seinen Kopf und sein Schnurren unterbrach die Stille, die uns umgab. Immer wieder wechselte er seine Position, doch wich nie von meiner Seite. Erst als all meine Tränen und Ängste verschwunden waren, drehte er sich um, blickte noch einmal zu mir und verschwand hinter den Bäumen.
Ich wusste, dass es vorherbestimmt war, dass ich nichts bei mir hatte außer meine Schlüssel. Es war ein Moment vorherbestimmt nur für mich allein. Ich musste diese Begegnung mit niemanden teilen. Ich musste sie nur erleben, verstehen und niederschreiben, um sie nie zu vergessen.
Ich bin am richtigen Weg.
© Nena Schneeberger 2020-09-12