von Andreas Trimmel
Orient. DAS Orient, wohlgemerkt, nicht âderâ. Das Hotel Orient. Das Hotel fĂŒr besondere Stunden. In Wien. Das habâ ich heute inspiziert. Eine halbe Stunde lang. Ja, das reichte, in dreiĂig Minuten war alles erledigt. HĂ€tte es lĂ€nger gedauert, dann wĂ€râ das ein echt mieser Service gewesen. Und den habâ ich nicht verdient, nein, wahrlich nicht. Ganz sicher nicht ich. Immerhin bin ich Stammkunde dort, seit Jahren schon.
Ich war natĂŒrlich auch diesmal nicht alleine, versteht sich. Anders machte das ja keinen Sinn. War doch die Begleitung erst der Grund fĂŒr die heutige Inspektion. Und nachdem Zeit ein kostbares Gut ist, wurde gleich nach dem Eintreffen Hand angelegt und mit der schweiĂtreibenden Arbeit, mit der umfassenden Begutachtung begonnen. Ein Heben und ein Senken, ein versiertes Vertiefen und gefĂŒhlvolles Lösen, ein gelegentliches Stöhnen ob der Anstrengung, bisweilen auch ein Quietschen und ein Ăchzen, einige gekonnte Drehungen und Wendungen, der eine oder andere Positionswechsel âŠ
NatĂŒrlich wurde was Frisches aufgezogen. So ganz ohne âŠ, nein, das wĂ€râ fahrlĂ€ssig, das ginge nicht. Was da alles passieren könnte! Das fĂŒhrte mit Garantie zu einem ungewollten Ergebnis, einem Unfall, möglicherweise sogar zu einem Kapitalschaden. Nein, lieber einen neuen, ganz frischen Gummi aufgezogen. Der alte tatâs echt nicht mehr, der sah wirklich nicht mehr gut aus, vielmehr gebraucht und abgenutzt. Manche hĂ€tten zwar gemeint, der ginge schon noch, aber das war mir dann doch zu riskant. Viel zu riskant. Der hielt ja nicht mehr dicht, das war ganz offensichtlich.Â
Und geblasen wurde bei der Arbeit auch. Mehrfach. Intensiv, und doch gefĂŒhlvoll. Damit er wachsen und sich so richtig entfalten konnte. Denn andernfalls wĂ€râ er eindeutig zu schlapp, zu weich, zu letschert gewesen. Und das wiederum hĂ€tte gefĂ€hrlich werden können. Nein, no risk, war die Devise. No risk und dennoch fun. Und das ging eben nur mit der richtigen GröĂe und einer gewissen HĂ€rte.
Schlussendlich habâ ich dann sogar vier neue Gummis bekommen. Ja, vier! Eine starke Leistung, ich weiĂ. Vier in einer halben Stunde. Mehr geht aber echt nicht, das ist schon das Maximum des Möglichen. Mehr geht technisch einfach nicht. Und das auch nur, wenn man höllisch aufpasst, damit die Luft nicht vorher drauĂen ist.
Und nach eben dieser halben Stunde war dann alles erledigt. Zu vollster Zufriedenheit. Picobello. Ohne RestbestÀnde, ohne verbleibende sichtbare Spuren. Alle gebrauchten Materialien, alle verwendeten Utensilien wurden wieder sorgfÀltig verpackt und weggerÀumt oder fachgerecht entsorgt. Auch die alten Gummis.
Zufrieden und glĂŒcklich sah ich danach meine Begleitung an. Und gemeinsam verlieĂen wir das Etablissement mit einem richtig guten GefĂŒhl. Ja, wir wĂŒrden wiederkommen, soviel stand fest. Definitiv. Unbedingt. Zum Reifenwechsel. Mein Wagen und ich. In die Werkstatt, gegenĂŒber dem Hotel Orient.
© Andreas Trimmel 2024-04-04