von Jellena Köppe
Overthinken. Wörtlich übersetzt bedeutet Overthinken nichts anderes als „Überdenken“. Man schafft Probleme, wo eigentlich gar keine Probleme sind. Zumindest sind es für Außenstehende keine Probleme. Aber man selbst zermürbt sich so den Kopf, über Dinge und stellt jedes kleinste Detail infrage, weil man schlichtweg Angst hat. Angst davor wieder verletzt zu werden. Angst davor, dass dich diese Person nur ausnutzt. Angst davor, dass dieses Gefühl der Enttäuschung wiederkehrt. Lieber geht man gefühlt jedes Szenario im Kopf durch, denn so kann dich ja nichts mehr überraschen. Man selbst ist schon darauf eingestellt und somit tut es weniger weh. Zumindest versuche ich mir das stets einzureden. Aber auch wenn man alles überdenkt und das schlimmste Szenario eintrifft, so verletzt es dennoch einen.
Manchmal wünsche ich mir, dass ich in meinem Kopf einen Schalter umlegen könnte, der dieses ganze Gedanken-Chaos stoppt. Denn manchmal habe ich das Gefühl, den Moment zu verpassen, nur weil ich mal wieder mir Gedanken um etwas mache, was nur in meinem Kopf stattfindet. Aber so leicht ist es nicht, denn diese Gedanken hören nicht eben Mal auf, weil ich mir das wünsche. Es ist wie eine leise Stimme im Kopf, die einem diese Sachen zuflüstert und man selbst kann nichts dagegen tun. Man will weghören und dem keine Beachtung schenken. Doch diese Stimme kommt immer wieder und pflanzt dir Gedanken in den Kopf, die einem das Leben nur erschweren. Es ist ungefähr, wie mit Unkraut – man entfernt es, brennt es nieder und kurz bist du es los, aber kaum hast du geblinzelt ist es schon nachgewachsen.
Manchmal denke ich mir „fuck it, du ziehst das jetzt durch“ und versuche diese ganzen Gedanken beiseite zu schieben und mein Leben zu genießen, ohne jede Kleinigkeit zu überdenken. Oftmals gelingt das auch, doch hin und wieder kehren die Gedanken zurück ohne, dass ich etwas dagegen tun kann. Immer wieder sage ich zu mir selbst „vielleicht sollte ich weniger nachdenken“. Allerdings ist das leichter gesagt als getan.
Ich glaube, dass es da draußen viel zu viele Menschen gibt, die tagtäglich am Overthinken sind. Die ihr eigenes Glück sich selbst kaputt denken. Sich mit jedem Gedanken ihre Freude nehmen. All das aus Angst. All das, weil ihnen schon viel zu schlimme Sachen angetan wurden. Das Overthinken verändert den Blick auf die Dinge – und das nicht im positiven Sinne. Es vernebelt einem die Sicht auf die schönen Momente im Leben. Es nimmt einem die Leichtigkeit und beschwert den Alltag.
© Jellena Köppe 2023-12-04