von Silvia Peiker
Es ist wieder Kinomontag: Perla, eine viel gelobte slowakisch-österreichische Produktion flimmert über die übergroße Leinwand. De facto, hier werden keine Perlen vor die Säue geworfen. Das Publikum wird von großartigen slowakischen und österreichischen Schauspielern auf eine abgrundtiefe Berg- und Talfahrt mitgenommen. Gewandt werden die wichtigsten traumatischen Momente der Flucht vor den die Freiheit und eigene Nationalität unterdrückenden, kommunistischen Usurpatoren, ausgelöst durch den Prager Frühling 1968, aber auch die widersprüchliche Gefühlswelt der Protagonistin, wie Perlen auf eine mit fragilem Faden geknüpfte Kette gefädelt. Doch besagt nicht schon der Volksglaube, dass Perlen Tränen verheißen und Unglück bringen?
1981 malt sich die talentierte Dissidentin im Schutz der für die Kunstschaffenden offenen Weltstadt Wien im matten Schein einer wärmenden Frühlingssonne ins verheißungsvolle Scheinwerferlicht der Kunstwelt. Bald winkt eine Ausstellung ihrer mit kräftigem Pinselstrich und ausdrucksstarken Farben expressionistisch inszenierten Bilder im fernen New York und der Verkauf ihrer Gemälde soll den Klavierunterricht ihrer begabten Tochter Julia, gespielt von der überzeugenden 12-jährigen Nachwuchsschauspielerin Carmen Diego, sichern. Ihr neues Leben gerät ins Wanken, als sich Julias fescher Vater Andrej, der beim gemeinsamen Fluchtversuch gefangengenommen und 12 Jahre später aus der Haft entlassen wird, meldet und seine Tochter endlich kennenlernen will. Nun ringt Perla mit den Dämonen der Vergangenheit, denn dazu muss sie hinter den eisernen Vorhang reisen und ihre mühsam in der Fremde aufgebaute Existenz gefährden. Ein gefälschter Reisepass bringt sie in Begleitung von Josef, den sie kurz zuvor ehelicht, und Julia über die Grenze in die alte Heimat. Wie aufs Stichwort schweben die verdrängten Spukgestalten durch ihre Erinnerungen und quälen sie mit einem von Andrej, den der lange Aufenthalt im Gefängnis verändert hat, und den von Russland indoktrinierten Landsleuten gesponnenen Netz aus Lügen, Neid und Verrat. Bald fühlt sie sich einem unmenschlichen, gewalttätigen Regime, das nicht nur Lebensmittel strikt rationalisiert, sondern auch in die Köpfe der Annektierten eindringt und diese manipuliert, ausgeliefert.
Das Movie, das keine Langeweile aufkommen lässt, überzeugt mit starken Schauspielern, wie der beeindruckenden, hübschen Rebeka Poláková in der Titelrolle und dem zu Recht gehypten Simon Schwarz, der überzeugend den österreichischen Ehemann Josef mimt, dessen Liebe zu Perla sich im Wettstreit zur aufkeimenden Eifersucht auf Andrej in den vielen stillen Momenten der Handlung im ausdrucksstarken Gesicht abzeichnet. Genial ist ebenso die Kameraführung von Georg Weiss, der den Fokus auf Mimik und kleine, nicht unwesentliche Details lenkt. Die Drehbuchautorin und Regie führende Alexandra Makarová hat Aspekte ihrer eigenen Familiengeschichte adaptiert und verleiht einerseits ihrer starken Frauenfigur eine Stimme, andererseits rückt sie subtil die Relevanz der von den Griechen ersonnenen Regierungsform der Demokratie in den Fokus ihres mit unerwarteten Schwenks gespickten Meisterwerks.
© Silvia Peiker 2025-04-17