Persien – Persepolis

Elke R. Richter

von Elke R. Richter

Story


Unsere Reise „Auf den Spuren Alexanders des Großen“ führte uns nach Persepolis, der einstigen Hauptstadt der Achämeniden. Alexander der Große hatte die Stadt zerstört, doch der letzte Schah ließ Teile davon wieder auferstehen. Erst 1971, nur drei Jahre vor unserem Besuch, feierte die kaiserliche Familie in Anwesenheit von Staatsoberhäuptern aus aller Welt das 2500-jährige Bestehen des persischen Kaiserreichs.

Von einer Terrasse aus betraten wir den Stiegenaufgang, dessen Stufen so niedrig waren, dass Reiter mit ihren Pferden mühelos hinaufsteigen konnten. Das Xerxes-Portal empfing uns mit mächtigen Reliefs zu beiden Seiten: Der Körper eines geflügelten Stiers, der Kopf eines Menschen mit langem, kunstvoll gekräuseltem Bart. Schon bald wanderten wir durch gewaltige Säle, in denen umgestürzte Säulen den Boden wie ein steinernes Meer bedeckten. Vorbei an Reliefs, die Hunderte von Menschen in vornehmer Haltung zeigten – mit edlen Gesichtszügen, krausen Bärten und gelocktem Haar. Herrscher saßen unter großen Sonnenschirmen, die von Sklaven, Stieren, Dromedaren und Fabelwesen getragen wurden. Diese Darstellungen waren in Stein gemeißelt und hatten die Jahrhunderte unversehrt überdauert.

Unser einheimischer Führer zeigte uns auch Inschriften und Zeichnungen von Reisenden, die im Laufe der Jahrhunderte nach Persepolis gekommen waren. Sie schrieben in vielen Sprachen, und sogar ein Dichter hinterließ vor dreihundert Jahren arabische Verse: „Wo sind die Herrscher, die in diesen Palästen regierten, bis der Tod sie rief …“ (Ali, Sohn des Sultans Khaled).

Besonders beeindruckte mich die Halle der hundert Säulen, obwohl keine einzige mehr stand. In dieser Festhalle fanden einst prächtige Empfänge statt. Unser Führer erklärte, dass sie am meisten unter der Zerstörungswut Alexanders gelitten hatte: »Bei den Ausgrabungen stieß man auf eine dicke Ascheschicht. Das beweist, dass der Brand absichtlich gelegt wurde, um den Palast vollständig zu vernichten. Doch das Feuer bewahrte auch rund 30.000 Tontäfelchen, die sonst längst zerfallen wären.«

Man könnte Tage, ja Wochen in Persepolis verbringen, wenn man sich für die Geschichte des Perserreichs interessiert. In den Überresten der Bibliothek wurden vor zwanzig Jahren die berühmten Tafeln mit elamitischer Keilschrift entdeckt.

Doch für jeden Besucher kommt unweigerlich der Moment des Abschieds. Man muss die Anlage verlassen, die einst das gewaltige persische Weltreich symbolisierte.


© Elke R. Richter 2021-04-06

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