von Franz Brunner
BREAKING NEWS da – BREAKING NEWS dort. Wir alle kennen das, wenn wir irgendein digitales Medium durchzappen, uns die Welt da drauĂen auf unsere fettfingernverzierten Displays in unser beschaulich Leben holen. BREAKING NEWS: Nachrichten, die Brechreiz verursachen, Nachrichten, an denen man zerbrechen kann. Zerbrechende Nachrichten. Es ist Feierabend, wir haben den Tag ĂŒberstanden, sind gut drauf und lassen die Welt, die zerbrechliche und zerbrechende Welt da drauĂen. Weil ich nĂ€mlich eine gute Nachricht habe: Ich hĂŒpfte vor Freude. Nun sind Sie doch so gut und freuen Sie sich mit mir. Denn ich habâs gemacht. Ich habâs gemacht, ich habâs wirklich gemacht. WĂ€re ich ein Frosch, ein Hund oder ein kleines Kind, so wĂ€râs nicht weiter erwĂ€hnenswert. Ja, die machen sowas und die Zuschauer schmelzen entzĂŒckt dahin. Ich aber bin bereits ein groĂer Junge, weit jenseits der statistischen Lebensmitte und habâs trotzdem gemacht: Ich bin in eine PfĂŒtze gesprungen. Platsch! Und drin war ich. So wie ich im Moment des Entschlusses bekleidet war, so sprang ich da rein, einfach so und ungeachtet drohender ErziehungsmaĂnahmen. NatĂŒrlich hĂ€tte ich das Hindernis ohne merklichen Zeitverlust auch umgehen oder elegant drĂŒbersteigen können, fiel mir aber gerade nicht ein. Mir war nach Meutern, nach Aufbegehren, nach Aus-der-Reihe-tanzen, nach pubertĂ€rem Unfug. Und da schien mir PfĂŒtzenspringen der total richtige Ansatz zu sein. Angst vor einem Vortrag ĂŒber Sauberkeit brauchte ich aktuell nicht zu haben. Mutter kĂŒmmert sich seit meiner Nestflucht nur mehr selten um meinen Tagesablauf und meine erziehungsberechtigte Mitbewohnerin war auf Einkaufs-Tour im Stadtzentrum. Und das kann, nein, das wird erfahrungsgemÀà dauern. Also nichts wie rein in die PfĂŒtze. BarfuĂ und hemmungslos. Ein kurzer Luftsprung, die Zehen zur Optimierung des WohlgefĂŒhls maximal spreizen und sich dann ganz der Schwerkraft hingeben. Mit der erhofften Folge, möglichst viel der braunen BrĂŒhe mitsamt unzĂ€hliger Lehmbatzen zu verspritzen. Ein Erlebnis der Extraklasse, viel, viel schöner als Bungee Jumping, und Fallschirmspringen zusammen. Zur Krönung noch die Augen schlieĂen, die Zeit anhalten und nach der Landung in GlĂŒckseligkeit verharren, dabei die Zehen in den lehmigen Untergrund krallen und spĂŒren, was zu spĂŒren ist. BlĂ€tter, Schlamm, Sand. Eine göttliche Mixtur. Alles Leben kommt aus dem Wasser, Wasser ist Leben und die Schlammspritzer sind ein Teil davon. Vielleicht sind so die Schlammspringer entstanden, als ein Meteorit in eine der RiesenpfĂŒtzen unseres Planeten platschte und so das Leben an Land katapultierte. PfĂŒtzenspringen bringt uns dem Ursprung unseres Daseins schon sehr nahe. Und man darf das, sogar Mann im Herbst seines Lebens darf das, wir alle dĂŒrfen das. Springen Sie in PfĂŒtzen. Lassen Sie BREAKING NEWS an sich abprallen, an sich zerbrechen. Tanzen Sie aus der Reihe, meutern Sie, ziehen Sie Ihre gedankliche Uniform aus. Apropos ausziehen, ich muss da was gestehen. So mutig war ich dann doch wieder nicht. Nach getaner Gartenarbeit stand ich in der Badehose da und nutzte die Gunst der Stunde. Meine Mitbewohnerin war auswĂ€rts und die PfĂŒtze absolut ungefĂ€hrlich, sie befand sich ja mitten im Garten. Und – der neuen Solardusche sei Dank â gabâs danach auch warmes Wasser. Also nur gute Nachrichten, ich habâs versprochen. Und nun suchen Sie sich Ihre eigene PfĂŒtze und zermalmen Sie darin die BREAKING NEWS. Glauben Sie mir, es geht ganz einfach und macht garantiert einen RiesenspaĂ.
© Franz Brunner 2024-06-12