von Michael Schaake
Eine Geschichte in Zeitsprüngen: Ich sehe mir gern auf YouTube Aufnahmen von „alten“ Rockmusikern an, auch auf 3sat und Arte, die bringen manchmal ältere Konzerte komplett, so letztens eins von Roger Waters von 2018. Neben der Musik, beeindruckt hat mich der Mann, älter als ich, im Jahr 2018 mit 75 Jahren, jetzt 2023 – er steht immer noch auf der Bühne.
18.06.1989 – meine Freundin und ich, wir wohnten in Dortmund. Konzert von Pink Floyd im Müngersdorfer Stadion in Köln, heute RheinEnergieStadion. Tickets konnte man damals noch nicht so einfach im Internet kaufen, aber irgendwie schaffte ich es, in einem Ticket-Shop zwei Tickets zu ergattern. Wir beide also an diesem Abend im Juni 1989 von Dortmund nach Köln und zurück.
Diese Mega-Konzerte lebten damals immer von und mit der Aura von Woodstock 1969. 50.000 Fans, das legendäre aufgeblasene Plastikschwein an der Leine schwebte zu Beginn durch die Arena, das Publikum tobte. Die Musiker vielleicht auch, weiß ich nicht, war damals noch die Zeit, als man nicht ohne ein bisschen Stoff auftrat (ich war selbst Musiker).
Die Band sehr fleißig, drei Stunden Konzert mit nur kurzer Pause. Die erste Hälfte war schrecklich, alles viel zu laut, überdreht, selbst in einem großen Stadion, wir hielten uns (fast) die Ohren zu. Das Publikum irritiert und ein paar Pfiffe, aber respektvoll applaudierend, man dachte wohl, so laut gehört einfach dazu, vielleicht waren auch die Techniker ein bisschen „überdreht“. Offenbar hat man ihnen das In der „Halbzeit“ gesagt: Die zweite Hälfte des Konzerts war optimal, das Schwein flog nochmal zu „Another Brick in The Wall“ und „Wish You Were Here“, und was man sich so alles wünschte, laut, aber ohne Gehörschaden. 3 Monate später heirateten wir, ich spielte selbst, artig und nicht zu laut, mit der Band auf der Party – aber das gehört eigentlich nicht hierher.
Meine erste Schallplatte von Pink Floyd war 1970 „Atom Heart Mother“, ganz frisch erschienen und Pink Floyd noch relativ unbekannt. Die lief in meiner eigenen Bar-Cafeteria, damals an der Costa Brava, abendlich rauf und runter, sie vertrieb die deutschen Touristen und spanischen Gäste aber nicht, also habe ich vielleicht auch ein wenig zur Promotion von Pink Floyd beigetragen…
Das Konzert in Köln war deshalb so was wie meine späte Wunscherfüllung, habe Roger Waters und David Gilmour noch später separat live gesehen, nach der Auflösung von Pink Floyd, sicher technisch perfekter und besser als in der Kölner Arena, aber das Erlebnis nicht vergleichbar mit 1989.
Roger Waters steht inzwischen eher politisch und (a-)moralisch im Mittelpunkt der Diskussion, als vermeintlicher oder wirklicher Antisemit. Das betrübt und spaltet seine musikalischen Fans. Ich denke mal in zwei Richtungen: erstens, Altersweisheit „ist nicht sein Ding“, und zweitens erinnert es mich an das Sprichwort: Schuster, bleib bei deinen Leisten, in seinem Fall: Gitarrist, bleib bei deinen Saiten…
© Michael Schaake 2023-05-02