Pink Floyd in Concert

Frank Wallner

von Frank Wallner

Story

Neulich fand ich beim Aufräumen hinter meiner Schallplattensammlung einen alten Umschlag. Ich war ganz überrascht und konnte mich nicht erinnern, was sich darin verbergen würde. Sofort musste ich an eine Widmung von J.M. Barrie zu seinem Buch ‘Peter Pan’ denken. Er schreibt darin:

Eine sichere, aber zuweilen etwas unheimliche Art und Weise, sich die Vergangenheit ins Gedächtnis zurückzurufen besteht darin, eine vollgestopfte Schublade mit Gewalt zu öffnen. Wenn man etwas Bestimmtes sucht, findet man es nicht, doch hinten fällt etwas heraus, das häufig viel spannender ist.

Als ich den Umschlag öffnete, fand ich darin alte Eintrittskarten zu vielen Konzerten, die ich während meiner Zeit in Hannover besucht hatte. Eine davon fiel mir sofort auf. An diesen legendären Auftritt einer der größten Bands aller Zeiten erinnere ich mich noch, als wäre es gestern gewesen. Es war das Konzert von Pink Floyd am 23. August 1994 im Niederachsenstadion von Hannover.

Es war ein schöner Sommertag, etwa 25°C, ideal für ein Open Air Konzert. Schon ganz vor Aufregung auf das Konzert schlenderten wir noch beim Biergarten am Maschsee vorbei, der sich unmittelbar neben dem Stadion befindet und warteten auf den Einlass. Dann war es endlich so weit und wir durften hinein. Die Crew der Bühnenarbeiter war noch mit den letzten Vorbereitungen für das Konzert beschäftigt. Eines aber kam mir irgendwie seltsam vor. Immer wieder kreiste ein Kleinflugzeug über dem Stadion und zog damit die Aufmerksamkeit der Besucher in der sich füllenden Arena auf sich. Ich sagte mir, dass es sich wohl um eine Sicherheitsmaßnahme des Veranstalters handeln würde und ignorierte es nach kurzer Zeit wieder.

Gegen 20.30 Uhr begann David Gilmour die ersten Riffs von ‘Shine on you crazy Diamond‘ anzuspielen und die Show begann. Neben der fantastischen Musik ist es ihre Bühnenshow mit den vielen Lichteffekten und Akustikelementen, die ein Pink-Floyd-Konzert unvergleichlich macht. Nach dem ersten Set war es schon fast dunkel. Dann war die Pause vorbei. Keyboarder Richard Wright spielte schon die ersten Töne von ‘Time’, als plötzlich die Bühnenbeleuchtung erlosch und über unseren Köpfen hinweg ein brennendes Flugzeug vor die Bühne stürzte und in einem riesigen Feuerball explodierte. Ich musste sofort an das kleine Flugzeug denken, das vor dem Konzert über dem Stadion geflogen war. Nach einigen Schrecksekunden war das Feuer wieder erloschen und die Show hatte ihren Höhepunkt erreicht. Jetzt vibrierte die Luft und die Menschen waren wie elektrisiert.

Später begriff ich, dass man ein Stahlseil durch das Stadion gezogen hatte und ein Modelflugzeug daran entlang gleiten ließ. Noch viele Tage danach erzählten wir uns von dem Konzert und dem Highlight mit dem brennenden Flugzeug. Dieses Konzert werde ich niemals vergessen. Einen kleinen Moment bitte noch, ich höre Flugzeuggeräusche über unserer kleinen Stadt. Sie werden doch wohl nicht?

© Frank Wallner 2021-03-27

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