von Danara Schröder
„Ich werde dich lieben. Egal wo, egal wann. Für immer.“
Isa macht einen Schritt auf Leon zu und umarmt ihn fest. Ein Gefühl von Vertrautheit und Nähe überkommt sie. Noch nie hat sie so ein Gefühl im Leben gespürt, dennoch fühlt es sich sehr vertraut an. Sie schließt die Augen und versucht, diese Vertrautheit in sich selber zu lokalisieren, und spürt in ihren Kopf kommt sofort die Nachricht von Leon, nachdem sie das letzte Mal zwischen den Realitäten gesprungen ist.
Leider ist es seitdem nicht mehr vorgekommen und sie konnte nicht mehr erfahren über die „richtige Welt“ in der sie nicht mehr lebt. Bis jetzt. Denn ihr Inneres zeigt ihr etwas vor ihrem Auge, fast so, als würde sie einen Film schauen.
Sie sieht sich selber in einem Krankenhausbett. Neben ihr sitzt Leon, er hat den Kopf auf ihren Bauch gelegt und weint. Dieser Anblick lässt ihr Herz in tausend Teile zerfallen, doch sie schaut weiter.
Der Film spult zurück zu der Zeit, als Isa noch am Leben war. Sie und Leon haben sich anscheinend so sehr geliebt, wie sie es sich gar nicht richtig vorstellen kann. „Könnte aber auch daran liegen, dass wir uns jetzt zum zweiten Mal sehen.“ Denkt sie sich. Sie kann noch nicht wirklich einschätzen, wie es sich anfühlt, neben Leon zu liegen und seinen Duft einzuatmen, denn das erste Treffen hat sie mit anstarren von Leon verbracht, da sie noch nicht verstehen konnte, dass das hier real ist. Dafür ist sie zu oft enttäuscht worden, als er sie loslassen musste, wenn sie sich nach nächtlichen Ausflügen verabschieden musste.
Ein Teil in ihr bereut schon wieder, dass die beiden eine Fernbeziehung führen müssen, denn Isa findet das einfach nicht fair. Während alle um sie herum Beziehungen führen, in denen sie ihren Partner jeden Tag sehen, hat es bei ihr und Leon viel zu lange gedauert, bis sie ihn endlich umarmen konnte. Sie ist neidisch auf die Version von ihr selber, die mit Leon jeden Tag zusammen sein konnte. „Was echt ironisch ist“, denkt sie sich, denn sie ist im Endeffekt neidisch auf ein totes Mädchen.
Sie öffnet die Augen und die Vision ist weg. Leon und sie umarmen sich noch immer, aber Isa kann nicht einschätzen, ob die beiden sich für ein paar Sekunden oder Tage in den Armen halten. Dieses Gefühl kannte sie aber schon von den nächtlichen Ausflügen mit Leon. Sie hat nur 8 Stunden geschlafen, doch dieses Hin und Her hatte sich angefühlt, als wäre sie mehrere Tage in den Parallelwelten verschwunden.
Sie und Leon gehen zusammen zu sich nach Hause und sie verliert ihn nicht aus den Augen. Zu groß ist die Angst, dass er mit einem Wimpernschlag verschwinden könnte.
Doch gleichzeitig wurde sie extrem Müde, weil er ihr wieder ein Gefühl von Sicherheit vermittelt. Es fühlt sich an, als würde er ihr in die Ohren flüstern, dass sie keine Sorge haben brauch, denn er ist jetzt grade hier, in ihren Armen. Sie bemerkt, dass es sich nicht nur so anfühlt, sondern wirklich grade passiert. Leon flüstert ihr liebe Worte ins Ohr und sie merkt, dass sie dadurch noch müder wird und einschläft.
© Danara Schröder 2025-05-08