von Annika Höller
Ein beeindruckender Dom. Sommererwachen am Rhein. Und viele Liebesschlösser auf der Hohenzollernbrücke. Das war alles, was ich mir von Köln erhofft habe, als ich im Frühjahr dort lande. Für zwei Nächte und 1,5 Tage. Zu jener Zeit bin ich auf der Durchreise. Amsterdam lautet das eigentliche Ziel. Ein Zwischenstopp in Köln bietet sich da geradezu an, liegt es doch auf der Strecke.
Es ist später Abend, als ich aus dem Zug steige. Der Tag ist grau und verregnet gewesen. Perfektes Wetter für Bahnreisen. Dazu eine gute Lektüre und so manche Feldstudie im Wagon. Erst vor wenigen Minuten hat es zu tröpfeln aufgehört – kurz vor dem urbanen Gewirr, in das ich mich gleich stürzen werde. Und da ist er auch schon, unmittelbar neben dem Bahnhof. Er begrüßt einen schon vom ersten Moment an, vorausgesetzt man ist mit der Bahn unterwegs. Der Kölner Dom. Ich bleibe ein paar Minuten auf dem weiten Vorplatz stehen. Schaue nach oben. Staune. Erst dann mache ich mich auf den Weg zu meiner Unterkunft. 15 Minuten Fußmarsch. Es ist Ende Mai und die Straßen sind belebt. Lautes Gelächter hier, klimpernde Gläser dort. Ich fühle mich sofort wohl.
Zwei Tage später neigt sich mein Aufenthalt bereits wieder dem Ende zu. Ich drehe eine letzte Runde im Hiroshima-Nagasaki-Park, unweit meines Hotels, und denke über die vergangenen Stunden nach. Sie sind gefüllt gewesen mit kleinen Abenteuern, neuen Erkenntnissen, herrlichen Begegnungen und unvergesslichen Eindrücken. Ich bin ganz oben auf dem Köln Triangle gewesen und habe mir die Stadt von oben angesehen. Ich bin am Rhein entlang spaziert und habe mir die Nase von der Mai-Sonne kitzeln lassen. Ich bin in einem Faschingsgeschäft gewesen und habe mir ein Matrosinnenkostüm gekauft. Ich bin zufällig auf einer Weinmesse gelandet und habe mir ein Glas gegönnt. Ich habe im Belgischen Viertel charmante, kleine Läden entdeckt und mir ein Souvenir besorgt. Und ich habe mich treiben lassen. Anstecken lassen. Von dieser wunderbaren Leichtigkeit, die Köln ausstrahlt. Eine total unterbewertete Stadt.
Jetzt heißt es also, gedanklich Abschied nehmen und mich vorbereiten auf die nächsten, nur noch wenigen Stunden im Zug bis Amsterdam. Die Sonne strahlt heute bereits wieder hell vom Himmel und je näher ich dem Park komme, desto mehr Jogger tauchen rings um mich herum auf. Als ich bei der letzten Fußgängerampel vor den grünen Wiesen Halt mache, läuft einer davon die Straße herunter in meine Richtung. Ich beobachte, wie seine Füße den Kölner Asphalt berühren und sich wieder von ihm lösen und denke an die vielen Schritte, die auch ich gestern zurückgelegt habe. Als er fast neben mir steht, schlägt mein Herz plötzlich schneller. Ist das nicht? Ja, könnte sein. Nein, das ist er! Und ehe ich es wirklich realisieren kann, schaltet die Ampel vor uns bereits wieder auf Grün und er zieht an mir vorbei. Es ist dieser Koch gewesen. Der von dieser Sendung, die in Köln gedreht wird. First Dates – ein Tisch für zwei. Ihr wisst schon: Roland Trettl.
© Annika Höller 2021-02-13