Christian erzählt: „Zum Wirtshaus Königsalm gehörte eine kleine Landwirtschaft, hauptsächlich mit Schweinen, einer Kuh, Hühnern und einem Gemüsegarten; das heißt, Viktualien, die verkocht wurden, mussten größtenteils nicht gekauft werden.“, erinnert sich Christian.
„Angeliefert wurden, zum Beispiel Bier, aus der Brauerei Zwettl und Wein vom Weinbauern in Senftenberg. Zwei Bäcker aus Senftenberg, die ins „Gai“ (also in ein nahes, abgegrenztes Gebiet) fuhren, brachten Brot und Semmeln.
Es wurden Hausschlachtungen durchgeführt, zirka alle zwei Wochen.
Die Arbeit am Feld, im Stall und in der Küche wurde hauptsächlich von Frauen – zumeist in Aushilfe -gemacht.
Am Speiseplan gab es Gemüsegerichte wie Rahmfisolen, Sauerkraut (aus im Herbst geerntetem Weißkraut, das eingestampft und in großen Fässern im Keller das ganze Jahr über gelagert wurde) und Rotkraut. Hinter dem Gasthaus befand sich ein großer, tiefer Eiskeller, in dem das Eis vom winterlichen Kremsfluss deponiert und mit Tüchern bedeckt wurde. Es hielt sich dort über den Sommer. Später erst gäb es einen Kühlschrank.
Blunze, also Blutwurst aus dem bei Schlachtungen reichlich anfallenden Tierblut, Schweinsbraten, Schweinshaxe und Knödel wurden serviert. Meine aus Sachsen stammende Mutter erweiterte den Speiseplan mit Königsberger Klopsen und Speckkuchen.
Unter den Gästen im Wirtshaus waren vor allem Arbeiter aus dem nahen Sägewerk und Forstarbeiter; weiters der Bezirkshauptmann und, besonders hervorzuheben, auch berühmte Gäste, die sich für einige Zeit im Kurzentrum Senftenberg aufhielten. So zum Beispiel der legendäre Schauspieler Hans Albers oder ein Sohn von Ibn Saud, Abdullah ibn Abd al-Aziz, der in Begleitung von drei Frauen im Kurhaus weilte und in einem Mercedes Benz Richmonds, 220 SE Coupé anreiste. Letzterer, ein gläubiger Moslem, erfreute sich am Schweinsbraten meiner Großmutter … Es war für alle Gäste und mich als Kind sensationell, zu erfahren, dass uns ein ‚echter Scheich‘ besuchen würde. Mit Spannung wurde dieser dann erwartet.
Im Gasthaus meiner Großmutter bekam übrigens jeder Gast aus der Küche unbegrenzt einen „Nachschlag“ – bis er satt war …“
© Roswitha Springschitz 2026-04-06