Putin im Weinkeller

von Sebastian SchÀffer

Die Republik Moldau hat inzwischen eine PrĂ€sidentin. Maia Sandu war auch kurzzeitig Premierministerin, nachdem die zuvor erwĂ€hnte Pattsituation im Parlament ĂŒberwunden wurde, kurz vor Ablauf der von der Verfassung gesetzten Frist im Juni 2019. Ein paar Monate spĂ€ter wurde sie per Misstrauensvotum im November 2019 wieder aus dem Amt entfernt. Fast auf den Tag genau ein Jahr spĂ€ter gewann sie dann die PrĂ€sidentschaftswahl. Ihre „Partidul Acțiune și Solidaritate“ stellt seit der vorgezogenen Wahl im Juli 2021 auch die absolute Mehrheit im Parlament.

Nicht unĂ€hnliche Rahmenbedingungen wie sie im Nachbarland Ukraine unter Selenskyj und seiner Partei „Diener des Volkes“ vorliegen. Eigentlich ideal, um Reformen umzusetzen, wĂ€ren da nicht russische Soldat*innen im eigenen Land.

In Moldau sind Truppen der ehemaligen 14. Gardearmee der StreitkrÀfte der Russischen Föderation prÀsent. Sie verblieben nach dem eingefrorenen Konflikt 1992, bei dem das De-Facto-Regime in Transnistrien entstand, im Land.

Über die abtrĂŒnnige Provinz schreibe ich noch genauer im nĂ€chsten Kapitel, zunĂ€chst möchte ich aber von der indirekten Einflussnahme des Kremls in Moldau erzĂ€hlen. Gerade im Zuge des Krieges gegen die Ukraine ist die Situation sehr volatil und Energiepreise werden auch hier von Moskau als politisches Druckmittel eingesetzt.

2014 griff man in Moskau aber auch zu einem anderen Instrument: Im Zuge der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens Chißinăus mit der EU wurden Agrarprodukte aufgrund von QualitĂ€tsmĂ€ngeln mit einem Exportverbot nach Russland belegt. Darunter auch Wein, der bereits zum Abschluss der Verhandlungen mit BrĂŒssel im November 2013 mit einem Einfuhrbann belegt worden war.

Dazu muss man wissen, dass moldauischer Rotwein zu mit dem Besten zĂ€hlt, was es weltweit gibt. Aber auch wenn man meinem subjektiven aber dennoch richtigen Urteil nicht vertraut, im zweitgrĂ¶ĂŸten Weinkeller des Landes (nach Milestii Mici, der wiederum der grĂ¶ĂŸte der Welt ist) lagert eine persönliche Sammlung des PrĂ€sidenten der Russischen Föderation, Wladimir Wladimirowitsch Putin. Gut, er hat auch seinen 50. Geburtstag dort gefeiert.

WĂ€hrend also Cricova wie alle anderen moldauischen Weinproduzent*innen nach dem Gipfel von Vilnius nicht mehr nach Russland liefern durfte, konnte der erste Mann im Kreml jederzeit auf seine Kollektion zugreifen.

Auf der Weltkarte auf der Cricova stolz die Fahnen der LĂ€nder platziert, in die man exportiert, musste die der Russischen Föderation entfernt werden. Als 2016 der pro-russische Kandidat Igor Dodon zum PrĂ€sidenten der Republik Moldau gewĂ€hlt wurde, durfte sie wieder eingesetzt werden. Ich habe mich jeweils persönlich davon ĂŒberzeugt.

Wer mir aber immer noch nicht glaubt, dass hier keine ZusammenhÀnge bestehen, darf jetzt raten welches Agrarprodukt unter anderem mit einem Exportverbot durch den Kreml belegt wurde, als Montenegro 2017 der NATO beigetreten ist.

Hashtags: