von Marie Kunze
Tropf, Tropf macht es. Ein Regentropfen nach dem anderen fällt vom Himmel.
Ein Blick nach oben in die Finsternis der Nacht und es scheint so, als würden die hellen Sterne zu mir herunterfallen.
Tropf, Tropf macht es. Der Regen wird langsam mehr und mehr. Ich strecke meine Zunge heraus, um den Geschmack von Regen aufzunehmen. Ein Gefühl von Freiheit und Leichtigkeit.
Tropf, Tropf macht es. Es regnet schon eine ganze Weile lang. Langsam gehe ich durch die verlassenen Straßen und erinnere mich an die Zeit, als ich noch klein war. Schnell springe ich von Pfütze zu Pfütze und schmunzle, weil es sich genauso anfühlt, wie ich es in Erinnerung hatte.
Tropf, Tropf macht es. Regen ist schon etwas Schönes. So beruhigend und friedlich. Lächelnd blicke ich von außen in die beleuchteten Fenster der Häuser hinein. Der Regen prallt an ihnen ab, prasselt gegen die Scheiben. Auch ich bin komplett durchnässt, doch mich stört das nicht.
Tropf, Tropf macht es. Es regnet nur noch langsam. Auf den nassen Straßen spiegelt sich das gelbliche Licht der Laternen und es scheint gar magisch. Der Anblick ist hypnotisierend für mich, denn so ruhig, war ich lange nicht.
Tropf, Tropf macht es ein letztes Mal, bis sich die Sonne durch die dunklen Wolken drängt und letztendlich den letzten Regentropfen verdrängt. Bald geht sie richtig am Himmel auf und der Regen hört dann auf.
Glücklich stehe ich nun hier draußen und lächele, warte sehnsüchtig darauf, bis es erneut zu regnen beginnt und das Wasser in den Gassen entlang rinnt.
Tropf, Tropf macht es erneut. Langsam gehe ich die nassen Straßen entlang, schaue mir den Sonnenaufgang an. Bald schon, da wird es wieder so weit sein und diese Erinnerung daran ist nun allein Mein.
© Marie Kunze 2023-07-06