von Gerhard Riemer
Wer das Eiland nach stürmischer Bootsfahrt betritt, wird von einem großen Schild aufgeklärt, man wäre nun auf der Robinson Crusoe Insel.
Wie so vieles auf dieser Welt ist das eine Lüge. Hier lebte niemals Robinson Crusoe, denn Daniel Defoe hatte seine Geschichte von A bis Z erfunden. Angeblich wurde 1704 der schottische Matrose Alexander Selkirk auf dieser Insel ausgesetzt und lebte vier Jahre hier. Er könnte als Vorbild für Robinson gedient haben, doch dies ist ebenfalls nur Annahme. Sein Aufenthalt gerade auf dieser Insel ist durch nichts belegt. Die dürftigen Funde, wie etwa ein schlichtes Navigationsgerät aus dem 18. Jh. können dies nicht garantieren, denn man kann durchaus annehmen, wenn man einen Seemann strafweise auf einer Insel aussetzt, gibt man ihm sicher kein wertvolles nautisches Gerät mit. Noch dazu, mit dem er nichts hätte anfangen können, denn was gibt es auf einer kleinen Insel zu navigieren?
Bis 1966 hieß diese Insel Isla Mas a Tierra, was schlicht „Dem Festland näher gelegene Insel“ bedeutet. Heute beherbergt sie etwas mehr als Tausend Einwohner. Als bescheidene Sehenswürdigkeit dient eine etwa fünf Meter tiefe Höhle mit einem Lämpchen am hinteren Ende, in dem Robinson, den es ja nie gegeben hatte, mit oder ohne seinem Begleiter Freitag, logiert haben soll.
Der Hauptort San Juan Bautista besitzt die einzigen befahrbaren StraĂźen des Ortes und es verkehren zwischen Pferden sogar einige wenige Fahrzeuge. Wer mag, kann nach einem alten Wrack aus dem Ersten Weltkrieg tauchen. Es handelt sich um den deutschen Kreuzer SMS Dresden des Geschwaders von Vizeadmiral Graf von Spee, welches die eigene Besatzung versenkt hatte, um nicht von den Briten gekapert zu werden. Eine weitere bescheidene SehenswĂĽrdigkeit, ist ein kleiner Friedhof.
Am 27. Feber 2010 fegte ein Tzunami über die Insel hinweg und zerstörte beinahe alle Häuser.
Viele Menschenleben rettete ein zwölfjähriges Mädchen, das geistesgegenwärtig und mit aller Kraft eine Warnglocke läutete, als sie die Gefahr erkannt hatte.
Fazit: Diese Insel muss man nicht gesehen haben.
© Gerhard Riemer 2021-03-29