SAMANTHA

Roswitha Springschitz

von Roswitha Springschitz

Story

Sie waren lange schon Freunde: Matteo, der Biber und Samantha, die Sumpfschildkröte. Sie hatten schon viel erlebt, miteinander. Manchmal schwammen und tauchten sie nur, manchmal plauderten sie ausführlich, über dies und das.

Eines Tages, als sie ihren Lieblingsbadeplatz am Altwasser aufsuchten, mussten sie mit Entsetzen feststellen, dass sich offenbar rücksichtslose Menschen hier aufgehalten und jede Menge Müll zurückgelassen hatten: Plastikflaschen, leere Bierdosen, Plastiksäcke, sehr viele Zigarettenkippen, einen Papiersack einer Fastfood-Kette, mit Resten von Pommes Frites zierten die Wiese am Ufer; einige Dinge lagen halb im Wasser und es war anzunehmen, dass so manches sich auch am Grund des Gewässers befand; zwei zerfetzte Plastiksäcke hingen sogar an ins Wasser ragenden Ästen. „Wir müssen etwas tun, jetzt, sofort!“, rief Matteo aufgeregt, „Wir müssen die Täter finden und bestrafen!“ „Nur mit der Ruhe!“, mahnte Samantha. „Lass dir Zeit… Lass uns überlegen… Zuerst…“ – „Siehst du nicht, all das Plastik …die Fische werden es fressen und sterben! Wir müssen dorthin und es holen! Aber vielleicht sollte ich doch zuerst die Übeltäter verfolgen…!“ – „Blödsinn!“, erwiderte Samantha, „Die sind doch längst über alle Berge! Lass uns bitte in Ruhe nachdenken! Wir brauchen auf jeden Fall einen großen Behälter, für all den Müll. Du könntest…“ -„Ich seh‘ schon, mit dir ist nichts anzufangen, in deiner Langsamkeit! So kommen wir auf keinen grünen Zweig!“, murmelte Matteo der die ganze Zeit über vor Aufregung nervös mit dem Schwanz schlug – und schwamm einfach davon. „Matteo, wir sollten die Sache doch anders angehen, glaub‘ ich! Was hältst du davon, wenn…“, sagte Samantha, die noch gar nicht bemerkt hatte, dass ihr Freund weggeschwommen war. „Hey, Matteo!“, rief sie und schaute sich um, wo der Biber geblieben war. Doch sie sah nur mehr einige kleine Wellen, die das Wasser kräuselten: Matteo schwamm anscheinend dort. „Das gibt’s doch nicht! Haut einfach ab!“, grummelte sie.

Sie war es gewohnt, dass Matteo rasch ungeduldig und aufgeregt war. Aber sie genau jetzt im Stich zu lassen, das ging gar nicht! ‘Ich bin so was von frustriert!’, dachte sie. ‘Schwimmt einfach weg und lässt nicht mit sich reden! Das nennt man einen Freund!’ Für eine Weile zog sie den Kopf und die Beine in den Panzer und wollte von nichts und niemandem mehr etwas wissen. Drinnen döste sie oder versuchte dies, denn der Ärger hinderte sie daran. „Hey, David, schau, hier! Das ist unser Platz! Da könnten wir unsere Floße bauen!“, hörte sie eine Kinderstimme, in der Nähe. „Warte, Florentina! So wart‘ doch auf mich!”, antwortete offenbar ein anderes Kind. Vorsichtig lugte Samantha aus dem Panzer. In der Ferne, am Ende der Wiese sah sie zwei Kinder, die die Wiese durchquerten und auf das Wasser zusteuerten…

© Roswitha Springschitz 2022-12-23

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