29. August 1982, gefühlte 40 Grad im Schatten: Aus dem dampfenden Zirkuszelt klang es wie Donnerhall: “Wäu i wü schi-i-i-i-foahn, foahn, foahn, foahn, schi-i-i-i-foahn…” Ambros-Mania! Das ausgeflippte Publikum forderte mit einem anhaltenden “Woifal, Woifal”-Stakkato zehn (!) Zugaben bei Wolfgang Ambros ein. Dann folgte der Schlussakkord, der gleichzeitig der Schlussakkord für das Teatro Spettacolo war. Aus, Ende… Dem Pierrot entschlüpfte eine Träne.
Aufregung gab es im Vorfeld wegen der hohen Eintrittspreise. 160 Schilling waren 1982 kein Pappenstiel! Dann tauchten auch noch gefälschte Karten auf. Wie sich später herausstellen sollte, wollten sich zwei 17-jährige Burschen, die in der Druckerei arbeiteten, wo die Tickets hergestellt wurden, die hohen Kosten sparen und druckten in der Nacht ein Bündel Karten nach.
Diese verkauften sie zum Dumpingpreis. Vierzig Jahre später kosten Tickets für ein Ambros-Konzert in der besten Kategorie 70 Euro. Luftsprünge, so wie im Sommer 1982, macht Ambros aber schon lange keine mehr. Nach Luftsprüngen war auch jenen nicht zumute, die das Werkl im Volksgarten mit großem Einsatz, viel Herzblut und Improvisationstalent fast sechs Wochen lang am Laufen gehalten hatten: die Familie Weisheit und Bengerts bunte Truppe: Susi, Gerhard, Klaus, Frank, Nele, Susanna, Sonny, Peter, Gabi und… Habe ich jemanden vergessen?
Alle waren irgendwie froh, aber dann doch auch traurig, dass es vorbei war. Mir ging’s genau so. Anerkennung kam von GĂĽnter Verdin in den Salzburger Nachrichten. “Das Teatro Spettacolo sollte allen Einwänden zum Trotz im nächsten Jahr eine Fortsetzung finden“, schrieb er. “Aber Bengert muss wissen: Sobald die Träume aus dem Kopf sind, kosten sie was. Nur Träume brauchen keine Subventionen.” VizebĂĽrgermeister Waldemar Steiner formulierte es etwas sachlicher: ”Das Zeltfestival war eine Bereicherung des Salzburger Kultursommers. Der Volksgarten eignet sich bestens fĂĽr Veranstaltungen dieser Art.“
Eine Neuauflage kam 1983 trotzdem nicht zustande. Es waren keine Sponsoren aufzutreiben, Bengert blieb auf dem Schuldenberg sitzen. Er war mit seiner Vision, den Volksgarten einen Sommer lang mit Kunst und Kultur zu beleben, zu früh dran. Dass es funktionieren kann, zeigte sich sechs Jahre später in München.
Dort fand 1988 das erste Tollwood-Festival im Olympiapark statt, das ein ähnliches künstlerisches Konzept hatte wie das Teatro Spettacolo: In einer temporären Zeltstadt wird Kultur aus allen Sparten geboten, die sich über Eintrittskarten, Mieteinnahmen der Standbetreiber und Sponsorengelder finanziert. Der Erfolg ist bis heute ungebrochen. Das hatte sich auch Rolf Bengert für Salzburg erhofft.
Mit dem Winterfest, dem Festival für zeitgenössische Circuskunst, das Georg Daxner 2001 gründete, lebt aber seine Idee im Volksgarten weiter.
© 2022-06-09