Schwärmende Schwärmer.

June_Hopeman

von June_Hopeman

Story

Sie lieben die Dunkelheit.

(Aber-)Gläubige werden sie als Tiere der Zerstörung, Boten des Unglücks und als Todessymbol sehen, sich daran erinnern, wie sie Teppiche, Vorhänge und Kleidung zerfressen. Vor allem die Totenkopfschwärmer mit ihrem ikonischen Symbol auf dem Rücken mögen einen martialischen Eindruck machen, wie sie Nachts durch die Finsternis flattern.

Andere wiederum sehen Motten als Krafttier, Symbol für Liebe und Anpassung und Verwandlung. Und nicht zu vergessen streben sie nach dem Licht – obwohl sie doch eigentlich Wesen der Dunkelheit sind. Immer finden sie ihren Weg ins Helle, fühlen sich angezogen von künstlichem Licht wie von einem Magneten. Sie haben eine ganz eigene Art von Magie, die sowohl nach dem Bösen als auch nach dem Guten schreit.

Als Figuren unserer Träume sind sie gleichzeitig aber auch gute Lehrmeister – oft stehen sie für negative Gedanken, deren Konfrontation man vermeiden möchte. Doch sie zeigen uns, dass es unvermeidlich ist, die Gefühle zu akzeptieren und ans Licht zu bringen – das ist ihr Weg. Raus aus dem Dunkeln, rein ins Licht. Sie sind uns ein Vorbild in Wahrheit, Akzeptanz und Liebe – denn wie furchteinflößend sie manchmal auch wirken mögen … liebesverrückt sind sie durch und durch. Vor allem die (oftmals negativ) eindrucksvollen Totenkopfschwärmer schwärmen eher von Liebe als von Zerstörung. Nach Atropos, einer griechischen Schicksalsgöttin, die den Lebensfaden eines Menschen durchschneidet und beschließt, auf welche Art und Weise er stirbt, benannt, werden sie ein durchaus schlechtes Image haben – auch der Gattungsname ‘Acherontia’ wird einige abschrecken. Dieser wird nämlich von Acheron, einem unterweltlichen Fluss, abgeleitet. Auch die Tatsache, dass die Raupen der Falter giftige Pflanzen als Nahrung genießen, wird abneigend wirken. Und dennoch versteckt sich hinter diesem vermeintlichen Schrecken ein liebevolles, anmutiges und energisches Wesen. Verrückt nach Liebe verpaaren sie sich jede Nacht aufs Neue, sind geradezu besessen danach. Wie so oft täuschen das Äußere und der Ruf gewaltig – denn Illusion und Wahrheit sind zweierlei. Die Bilder in unseren Köpfen entsprechen oft nicht denen der Realität.

Und wie gefährlich sie oft auch wirken mögen – das weiche flauschige Fell dürfte den Eindruck etwas mildern. Nicht zu vergessen deutet eine Motte als persönliches Totemtier auf starke psychische Kraft, Optimismus, Großzügigkeit, Treue, Anpassungsfähigkeit und Intuition hin – was durchaus positive Charaktereigenschaften sind.

Ziehen wir daraus unsere Lehren, sollten wir uns vornehmen, auch Menschen nicht nach dem Äußeren und dem Ruf zu beurteilen, wenn wir sie gar nicht wirklich kennen. Manchmal mag es zwar stimmen, was die Leute sagen, doch immer trifft es keinesfalls zu.

Wir sollten den Motten nachgehen und nach dem Licht streben, die Dunkelheit schätzen und lieben und leben, solange wir es können – ganz egal, was andere über einen sagen.

© June_Hopeman 2021-08-09

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