„Der Kremsfluss hat dem Tal den Namen gegeben und bestimmte auch das Leben der BewohnerInnen des Tales. Er entspringt im Weinsberger Wald und mündete damals unterhalb von Krems in die Donau. „, erzählt Christian und setzt fort:
„Nach langen, strengen Wintern kam es oft zu für uns Kinder faszinierenden Eisstößen ; dabei entstanden große Überflutungen. Es war ein gewaltiges Naturschauspiel.
Wir Kinder von der Königsalm lernten alle im Fluss schwimmen: Bei der Wehranlage der Sage Senftenbergeramt gab es ein zirka 2 Meter tiefes Becken, durch den Rückstau.
Weiters soll hier festgehalten werden, dass der Fischreichtum in jener Zeit enorm war! Gesetzlich geregelt durch die Herrschaft in Jaidhof waren auch die Fischereirechte. Schwarzfischen war für jedermann streng verboten; und es gab einen Fischaufseher, der beinahe täglich auf einem Motorfahrrad den Kremsfluss von der Straße aus unter Kontrolle hatte, alles beobachtete und darauf achtete, dass nicht gefischt wurde.
Der Anreiz zu fischen war für uns Kinder durch dieses Verbot umso größer.. So fischten wir, angeleitet von den älteren unter uns, nur mit Schnur und Würmern oder auch händisch, unter Steine greifend, sobald es Frühjahr im Tal wurde und bis in den Spätherbst. ‚Wir‘, das waren die ‚Tollkühneren‘ unter uns; die ‚Feiglinge‘ getrauten sich nicht – genäß der typischen Hierarchie unter Kindern. Meist fischten wir zu zweit, wobei ein Kind Wache stand und nach dem Fischaufseher Ausschau hielt. Es handelte sich dabei natürlich um Wilderei, die vom Gesetz her schwer bestraft wird. Aber es ist mir nicht bekannt, dass irgendwann einmal jemand erwischt und bestraft worden wäre. Gefischt wurden hauptsächlich Regenbogenforellen und Bachforellen. Weißfische fischten wir keine, da diese zu viele Gräten haben. Die Fische wurden dann von unseren Eltern oder im Gasthaus in Butterschmalz gebraten und schmeckten köstlich. Unsere Eltern äußerten sich zu diesen Fängen eher lobend und verboten uns diese nicht; sagten lediglich: ‚Passt auf! Lasst euch nicht erwischen!‘ Da der Fischaufseher auch im Gasthaus einkehrte, denke ich, dass er Bescheid wusste …
Heute gibt es im Fluss keine oder kaum mehr Fische, obwohl eine teure Fischaufstiegsleiter bei der Wehranlage errichtet wurde. Einmal im Jahr ‚fischen‘ nun wir, die BewohnerInnen und AnrainerInnen der Königsalm, im Zuge der Flurreinigung Plastik und Müll aus dem Fluss. Nach dem großen Hochwasser 2024 war dies reichlichst vorhanden … Biber leben heute am Fluss; sie erschaffen wahre Kunstwerke und prägen das Landschaftsbild.“
© Roswitha Springschitz 2026-04-21