Seit 17 Jahren gibtâs keinen Kontakt zwischen ihr und der Schwiegermutter. Wennâs wenigstens tatsĂ€chlich gar kein Kontakt, buchstĂ€blich Funkstille wĂ€re: Aber nein, die beiden versorgen einander permanent mit negativsten Schwingungen. Und dazwischen steht er, der Ehemann UND Sohn. Wie mag es ihm in dieser grausamen Zerrissenheit ergehen?! Er besucht die Mutter – im Wissen, dass die Angetraute das als IlloyalitĂ€t empfindet. âWenn er bei ihr ist, wird er wieder gegen mich geimpftâ, kommentiert sie abfĂ€llig. Das merke sie; er sei wie verĂ€ndert, wenn er von ihr komme; dann brauche sie viele Stunden, um ihn wieder âeinzurenkenâ ⊠Wenn er, das geliebte Einzelkind, hingegen die Wohnung der Mutter verlĂ€sst, um zu seiner â vermeintlich unpassenden â Frau zurĂŒck zu gehen, was empfindet dann die Mutter? Bedauern? Ja Aggression?
Alle drei sind in einer unglĂŒcklichen GefĂŒhlslĂ€hmung verwoben. Alle drei blockieren ihr Wohlwollen fĂŒreinander. Denn: Was will eine Mutter? Dass es ihrem Kind stets gut gehe. Dass Eheleute einander ebenso âwohl wollenâ, sollte klar sein; warum aber sollte Schwiegertöchtern das Wohlergehen der angeheirateten, nĂ€chsten Verwandten nicht ebenso ein Herzensanliegen sein?!
Es möge allen Lebewesen gut ergehen, lautet der Segenswunsch, der vor allem EINEM Lebewesen zum Heil gereicht: demjenigen, der es ausspricht.
VERSĂHNUNG ist der Wunderbegriff, die Heil-Droge.
Mein MitgefĂŒhl weint bitterlich ĂŒber die zahllosen âinnerfamiliĂ€ren KriegsschauplĂ€tzeâ im Umfeld. Da fĂŒhrt der Bruder â nach vermeintlichem Erb-Unrecht â seit Jahrzehnten gerichtsanhĂ€ngige Klagen gegen Mutter und einzige Schwester. Da vermeidet eine Tochter seit Jahrzehnten jeden Kontakt zur vermeintlich grausamen Mutter (die von ihrem damaligen Mann per psychiatrischem Befund aus der Ehe geworfen wurde). Da kĂ€mpfen MĂŒtter â und VĂ€ter â entsetzliche Fehden gegeneinander: also gegen jene Menschen, denen sie mal vor dem Traualter ewige Liebe schworen â und dieser Kampf wird auf den RĂŒcken ihrer bedauernswerten Kinder ausgetragen, die unerbittlich hin und her geworfen/gezerrt werden. Da fĂŒhren Partner brutale âU-Boot-Beziehungenâ: Wo die Eine auftaucht, taucht der Andere unter âŠ
Das weite Land der Seele ist ein Schlachtfeld. UnzĂ€hlig sind die Verwundungen. Tausendfach sind die Möglichkeiten der Heilung. Und es gilt, keine Zeit zu verlieren! Wie glĂŒcklich bin ich, nicht bereuen zu mĂŒssen, meinen einzigen nĂ€chsten blutsverwandten Angehörigen, Vater wie Mutter, ĂŒber deren Tod hinaus Liebe schuldig geblieben zu sein. Ich durfte in ihren jeweiligen letzten Lebensstunden ihre HĂ€nde halten, in tiefer Dankbarkeit fĂŒr ihre unendliche Liebe, mit der sie mich stets nĂ€hrten; und ich selbst hatte es ihnen wohl, so hoffe ich, in ebensolchem ĂbermaĂ zu Lebzeiten (!) gezeigt/spĂŒren lassen.
In der Versöhnung liegt Segen! VersĂ€umen wir keine Gelegenheit zur Liebe! Wir werden dadurch selbst veredelt â ja, Eros verleiht uns FlĂŒgel âŠ
© Manfred Greisinger 2019-07-15