von Lena Gabel
Ich denke an dich.
Und ich beginne zu träumen. Ich sehe zum Mond und denke an dich. Und ich beginne zu schreiben. Ich schreibe von der Poesie in deinem Blick – oder ist es erst die Poesie, die mich schreiben lässt?
Mein Stift fliegt über das Papier. Meine Gedanken reisen immer weiter zurück und in der Erinnerung schließe ich meine Augen und wir liegen auf deinem schmalen Bett, mit meinem Kopf in deinem Schoß, während du mir Gedichte vorliest von Rilke und Neruda; Schlafzimmerpoesie.
Die Erinnerung an deine Stimme umhüllt mich wie warmer Nebel.
Dann zieht es mich weiter, und ich muss lächeln, weil du es damals warst, der mich zum Schreiben gebracht hat. Du hast selbst geschrieben, erinnerst du dich? Ich war die erste Person, der du deine Geschichten gezeigt hast. Dieser Gedanke macht mich froh. Und während ich daran denke, werde ich glücklich, denn ich merke nun, dass dir viel bedeutet habe. Du hast dich mir anvertraut. Und ohne es zu wissen, wurdest du zu etwas, das noch wertvoller ist als die Liebe selbst: Du, und all unsere gemeinsamen Erlebnisse, alle ausgetauschten Zärtlichkeiten wurden zur Grundlage meines Schreibens. Und was noch viel bedeutsamer ist: du warst es, du bist es noch immer: Meine Inspiration , meine Muße: die verlässlichste Quelle meines Schreibens.
Das bleibt mir.
Ich schreibe davon, dass wir Geister sind, verbundene Seelen, die zwischen den Zeiten leben und die Welt, wie wir sie kennen, aus den Angeln heben. Dass das, was wir füreinander fühlen, einzigartig ist, denn es ist keine Liebe, zumindest keine existenzfähige, aber es ist auch keine Freundschaft. Und doch ist es ETWAS. Spürst du es? Ich sehe dich an. Ja, Du spürst es. Es trifft dich. Du lächelst mich an. Es ist da, und wir beide spüren und wissen es.
„Und wenn wir die Zeit füreinander hätten, wäre es sicher eine wunderschöne Zeit…“, höre ich dich flüstern.
Wie er da stand und mich ansah, dachte ich darüber nach, wie schön und aufregend das Leben doch war. Und ich wusste, ich würde tausende Enttäuschungen in Kauf nehmen, immer und immer wieder, um nur einen dieser guten Augenblicke zu erleben.
Einmal noch das Knistern spüren, wie wir uns nahekommen. Diesen Moment, wenn unsere Lippen sich berühren, aber es noch kein Kuss ist. Um einmal noch die Poesie in deinem Blick zu spüren und für diesen einen Moment unendlich sein. Ein letzter Kuss. Was wird passieren, wenn ich dich verliere? Werde ich aufhören zu schreiben? Du bist meine Muse, du inspirierst mich. Ich sehe dich an. Du hauchst einen Kuss auf meine Lippen. Die Zeit bleibt stehen. Mir kommt diese Redewendung in den Sinn, ‚Von der Muse geküsst‘. Ich muss lächeln. Nur wir schaffen es, etwas Bildliches real werden zu lassen. Die Muse küsst mich.
Jetzt hält mich nichts mehr auf.
© Lena Gabel 2024-04-06